Nachdem ich mich von Mam und Evi nach einem Besuch von einer Woche schon wieder verabschieden musste, blieben Bap und Lena noch für eine weitere Woche in den USA. Und für diese hatten wir einen ganz besonderen Plan: Wir wollten an der Westküste entlang in den Süden fahren, genauer gesagt bis nach San Francisco. Schon nachdem wir am Samstag Mam und Evi am Flughafen in Seattle abgeliefert hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Südosten bis nach Ellensburg. Der Weg führte uns durch die North Cascades, wo teilweise sogar noch Schnee am Straßenrand zu sehen war. Die Landschaft ist sehr bergig und vor allem grün – wieder einmal waren viele Tannenbäume (evergreen trees) zu sehen. Als wir die North Cascades weiter östlich jedoch wieder verließen, veränderte sich die Landschaft gewaltig und alles sah weniger grün und trockener aus. Washington State hat nämlich zwei verschiedene Landschaftsbilder zu bieten: Während es westlich der North Cascades, wo auch die Bevölkerung am größten ist, ziemlich viel regnet und alles grün ist, ist der Teil östlich des Gebirges eher ausgetrocknet. Auch das Klima im Osten ist anders: Im Gegensatz zu dem milden Klima im Westen ist es dort im Winter viel kälter und im Sommer heißer. In Ellensburg, einer Kleinstadt mit circa 20.000 Einwohnern, verbrachten wir dann die erste Nacht.

Seattle - Ellensburg

Am nächsten Morgen ging es weiter über Yakima in den Süden. Die Gegend dort ist um einiges weniger dicht besiedelt als auf der Kartewestlichen Seite der North Cascades und man kommt sich viel mehr wie im wilden Westen vor. Der einzige Radiosender, der von Zeit zu Zeit mal funktionierte, begleitete uns mit der passenden Western-Musik. Einen sehr schönen Teil der Strecke fuhren wir am Yakima River entlang, auf dessen beiden Seiten sich Berge auftürmten. Wir sahen große Felder voller Äpfelbäume, die in der Gegend sehr häufig angebaut und in den ganzen USA verkauft werden. Außerdem ist Ost-Washington mittlerweile zu einem beliebten Weinanbaugebiet geworden. Noch vor Mittag erreichten wir den Columbia River, der die Grenze zwischen Washington State und Oregon bildet (weitestgehend zumindest). Washington State hätte eigentlich zuerst den Namen Columbia bekommen sollen, wurde aber dann doch nach dem Präsidenten George Washington benannt. Der Columbia River ist übrigens der Fluss, dem Lewis und Clark folgten, als sie Anfang des 19. Jahrhunderts die erste Überlandsexpedition zur Pazifikküste unternahmen. Die Fahrt auf der Interstate 84 entlang des Columbia Rivers in Richtung Westen war atemberaubend schön. Die Gegend heißt Columbia River Gorge, ist also eine weite Felsenschlucht, durch deren Mitte der Fluss fließt. Sie führte uns wieder durch die Kaskadenkette in den grüneren Teil von Washington State. Die Schlucht ist die größte Ansammlung von Wasserfällen im Pacific Northwest, also ließen wir uns die berühmten Multnomah Falls auf dem Weg natürlich nicht entgehen. Außerdem stoppten wir beim Eagle Creek Hike, einem wunderschönen Wanderweg, den eine Bekannte mir empfohlen hatte. Und sie hatte eindeutig nicht zu viel versprochen! Entlang des Weges kamen wir auch dort an mehreren Wasserfällen vorbei. Danach ging es weiter Richtung Westen; an Portland vorbei und durch den Tillamook State Forest bis zum Städtchen Tillamook.

Die berühmte Käserei in Tillamook, mit 1 Mio. Besuchern jährlich das größte Touristenmagnet in Oregon, stand gleich am nächsten Morgen auf dem Plan. Dort gibt es eine kostenlose self-guided tour durch die Fabrik, bei der man viel über das Unternehmen lesen und sogar den Angestellten durch riesige Glasfenster beim Arbeiten zusehen kann. Die Leute in der Gegend fingen vor ungefähr 150 Jahren hauptsächlich an, Käse zu produzieren, weil sie diesen besser als Milch bis nach Portland transportieren konnten. Der Transport erfolgte zum Großteil über die Morningstar, ein Schiff, bei dessen Errichtung im 19. Jahrhundert das ganze Stadt mithalf. Ebendieses Schiff ist heute immer noch auf dem Firmenlogo der USA-weit bekannten Marke Tillamook zu sehen. Der Name Tillamook kommt übrigens von dem Namen der Amerikanischen Ureinwohnern für die Gegend und bedeutet Land der vielen Wasser. Am Ende der Tour gab es dann noch eine kostenlose Käseprobe. Danach gönnten wir uns eine Kugel Eis und konnten von über 30 Geschmacksrichtungen auswählen. Tillamook stellt nämlich längst nicht mehr nur Käse her, sondern auch Eis, Butter, Jogurt und andere Milchprodukte. Ich entschied mich für Tillamook Mudslide (Schlammlawine), ein Schokoladeneis mit Fudge Stückchen.

Danach ging es auf dem Highway 101 an der Oregon Küste entlang in den Süden. Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht ganz so gut mit und es regnete die meiste Zeit. Trotzdem haben mir die vielen und langen Sandstrände sehr gut gefallen! Auch die zahlreichen kleinen Städte, durch die wir fuhren, hatten ihren Charme. Besonders das 50 Kilometer lange Dünengebiet um die Stadt Florence war faszinierend. Wir unternahmen eine kleine Wanderung durch die Dünen bis hin zu einem verlassenen Sandstrand, an dem wir uns nicht mehr wunderten, wo die Sandanhäufungen her kommen – es war unglaublich windig! Die Nacht verbrachten wir in Brookings, das nicht allzu weit von der kalifornischen Grenze entfernt liegt.

Karte

Der Mapfolgende Tag fing zwar etwas regnerisch an, als wir aber die Kalifornische Grenze überquerten hörte auch der Regen auf. Die Städte und Dörfer begannen schon bald, südländischer auszusehen, und auch die Natur veränderte sich. Nach kurzer Zeit befanden wir uns im Redwood National and State Forest, der als UNESCO Weltnaturerbe ausgewiesen ist. In dem Schutzgebiet wachsen 50 Prozent des natürlichen Bestands der California Redwood Trees. Wir unternahmen ein paar kleine Wanderungen in dem Park und machten uns außerdem auf den Weg zum Fern Canyon, einer Schlucht, die überall mit Farn und Moos bewachsen ist. Außerdem folgten wir einer Straße namens Avenue of the Giants durch den Park, von der aus man die großen Bäume genauer beobachten kann und fuhren sogar durch einen drive-thru tree. Ein bisschen machten wir uns zwar darüber lustig, dass Amerikaner wirklich einen drive-thru für ALLES haben, aber die Fahrt durch den Baum begeisterte uns dann doch. Begleitet wurden wir den ganzen Tag von einem Ohrwurm des Liedes Mendocino, da wir am Anfang des Tages die besungene Küstenstadt passiert hatten. Übrigens wurden in der Gegend auch einige bekannte Filme gedreht wie Jenseits von Eden  oder auch die Serie Mord ist ihr Hobby. Gegen Ende des Tages beendeten wir unsere Fahrt auf Highway 101 und fuhren auf den dort beginnenden Highway 1, der von vielen als die schönste Straße der USA oder sogar der Welt bezeichnet wird und entlang der Küste von Nord- nach Südkalifornien führt. Der Anfang des Highways geht aber eher durch Wälder und ist ziemlich kurvig. Die Nacht verbrachten wir in Fort Bragg.

Nun waren wir also bereits am Ende unseres Roadtrips angelangt – am nächsten Tag ging es nämlich bereits das letzte Stück der KalifornischenKarte Küste am Highway 1 entlang bis über die Golden Gate Bridge nach San Francisco. Während man vom Highway 101 an der Oregon Küste aus teilweise das Meer wegen den vielen Bäumen gar nicht sehen kann, fährt man am Highway 1 wirklich direkt an der Küste entlang und hat einen unglaublichen Ausblick. Wir befanden uns immer mehr in dem Kalifornien, wie man es aus Filmen kennt: Sonne, lange weiße Sandstrände, Städte mit südländischem Flair und statt den vielen Bäumen im Pacific Northwest viele Büsche und Gras. Wir hielten kurz vor San Francisco an einem fast menschenleeren Strand an, der sich als einer der gefährlichsten Strände Kaliforniens herausstellte. Als wir die großen Wellen bemerkten, konnten wir auch schnell den Grund dafür feststellen! Wir hatten sowieso nicht vor, ins Wasser zu gehen, dafür ist es noch zu kalt. Aber warm genug, um im T-Shirt die Sonne zu genießen und am Strand entlang zu spazieren war es allemal!

In San Francisco angekommen, fuhren wir noch am selben Tag zum Golden Gate Park und gingen am Oceanbeach entlang bis zum Lincoln Park, von wo aus wir einen super Ausblick auf die Golden Gate Bridge bei Sonnenuntergang hatten. Zufällig kamen wir an den Sutro Baths vorbei – dieses Hallenbad wurde in den 1890er Jahren von Adolph Sutro erbaut, einem früheren Bürgermeister San Franciscos, der aus Deutschland stammte. Heute steht es nur noch in Ruinen, sah aber bei Dämmerung richtig schön aus.

In den nächsten zwei Tagen in San Francisco besuchten wir Fisherman’s Wharf, das Crissy Field, den Presidio Park, den Palace of Fine Arts, die Lombard Street und begutachteten die Stadt außerdem von den Twin Peaks aus (zwei Hügel inmitten der Stadt). Wir fuhren mit einem der berühmten Cable Cars und entdeckten einen abgelegenen Strand namens Marshall Beach, der uns einen wunderschönen Blick auf die Golden Gate Bridge ermöglichte. Einen Nachmittag verbrachte ich damit, den Coastal Trail am Baker Beach und China Beach entlang bis durch den Lincoln Park zu laufen und später den Mission Distrikt, der für seine vielen Wandmalereien berühmt ist, zu erkunden. Außerdem sah ich mir Diego Riveras größte Wandmalerei am San Francisco City College an. Wie ihr also seht, hatten wir ein ziemlich volles Programm! Hier noch ein paar Bilder:

Am letzten Tag erlebte ich die Golden Gate Bridge zum ersten Mal von Nebel bedeckt, wie sie bekanntlich im Sommer oft zu sehen ist. Vom Flugzeug aus konnte man richtig gut sehen, wie der Nebel über der San Francisco Bucht und der Brücke war (die Brücke, die man auf dem Bild erkennen kann, ist die Bay Bridge, die San Francisco mit Oakland verbindet):

San Francisco

Julia