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Besuch von Daheim, oder: Julias Amerika in sechs Tagen

Am 07. März war es endlich so weit: Mein lang ersehnter Besuch aus Bayern kam Sie sind da!endlich am Flughafen in Vancouver an! Die darauf folgende Woche sollte ein Kultururlaub werden, in dem ich versuchte, Eva und Anna so viel Amerikanisches Leben wie möglich, aber vor allem mein Leben hier in den USA näher zu bringen. Wenn ihr also bis jetzt beim Lesen meines Blogs nicht so fleißig wart oder schon wieder alles vergessen habt, keine Sorge: Hier folgt Amerikanische Kultur, Sightseeing und vor allem viele Bilder im Schnelldurchlauf!

Das volle Programm ging gleich am ersten Tag in Vancouver los. Für Jetlag war eindeutig keine Zeit! Noch am ersten Tag wurde der English Bay, die Robson Street und die Granville Street (meine Lieblingsstraße in Vancouver) erkundet. Es waren aber durchaus Stopps für Essen und ein Bier in einem Pub drin. Obwohl es bei dem einen Bier nicht blieb – aber was soll man machen, wenn zwei junge Kanadier einen gleich mal den ganzen Abend freihalten? Am nächsten Morgen bemühte ich mich, meinen zwei Mädels gleich mal ein Amerikanisches Frühstück zuzubereiten (okay, wir sind in Kanada, aber so viel Unterschied gibt es da dann doch nicht): Es gab Oatmeal (Haferbrei), Bagels, Peanutbutter and Jelly Sandwiches (Yeeeeey, Eva liebt es auch!), Cottage Cheese (Hüttenkäse) und noch ein paar unspektakuläre Sachen wie Joghurt und Früchte. Außerdem waren Eva und Anna gleich von String Cheese begeistert – ein eingeschweißter Käse, der hier gerne mal gesnackt wird und auch uns das ganze Wochenende lang begleitete. Den Tag verbrachten wir überwiegend im Stanley Park, der sich stolz als schönster Park der Welt bezeichnen kann. Das Wetter spielte zum Glück mit unseren Plänen mit, also ließen wir uns auch den Third Beach nicht entgehen. Bald war es aber schon an der Zeit für meine zwei Mädels, zum ersten Mal die Grenze in die USA zu überqueren. Nach dem Chuckanut Drive (ein Scenic Highway von Bellingham nach Burlington) durfte ein kurzer Zwischenstopp bei Woods Coffee in Mt. Vernon nicht fehlen, wo die nächste kulturelle Erfahrung auf Eva und Anna wartete: Ein Pumpkin Spice Latte! Meine Freundin Emily, die dort arbeitet, bereitete ihn höchstpersönlich zu. Leider waren die beiden davon aber nicht ganz so begeistert wie ich – “Des is doch vui z’siaß!” Schließlich stand am Abend noch das große Kennenlernen mit meinen Gasteltern auf dem Tagesplan und irgendwann ließ ich die zwei dann doch mal schlafen.

Der nächste Morgen begann mit einem richtig schönen Amerikanischen Frühstück in Anacortes. Von dort aus machten wir uns danach mit der Fähre auf den Weg nach Orcas Island (eine der San Juan Islands). Leider fing der Tag eher nebelig an, kurz nach Mittag kam dann aber doch die Sonne raus und bescherte uns einen unglaublichen Blick vom Mount Constitution, dem höchsten Punkt der San Juan Islands. Davor begutachteten wir aber noch die Cascade Falls im Moran State Park. Orcas Island ist einfach unglaublich schön, der Tag war viel zu kurz für die ganzen Strände und überwältigende Natur dort. Allein die Autofahrt über die Insel ist den Trip wert! Auf der Fahrt mit der Fähre zurück hatten wir dann schon eine bessere Sicht und konnten den Ausblick auf die umliegenden Inseln (die San Juan Islands bestehen aus 172 Inseln) sowie Mt. Baker genießen. Nach einem kurzen Stopp bei einem Osterglocken-Feld wartete schon das nächste Adventure auf meine beiden Freundinnen: Der erste Besuch bei Walmart! Am Abend wurden Eva und Anna dann auf Michal’s Art Amerikanisiert und bekamen von ihr zubereitetes Mexikanisches Essen (was mittlerweile eine Tradition im Hause Rupert ist).

Den Dienstagmorgen starteten wir mit einem Besuch und kurzen Rundgang am College. Dort konnten Eva und Anna bereits ein paar meiner Freunde kennen lernen, aber auch meine College Koordinatorin Anji und meinen zukünftigen Boss Juan (dazu im nächsten Eintrag mehr). Danach ging es für mich für fünf Stunden in die Arbeit, während die beiden Mädels die Zeit mit Shoppen in den Outlet Shoppes at Burlington und der Cascade Mall verbrachten. Ich erwähne mal lieber nicht, wie viele Paar Schuhe in der Nike-Tüte versteckt sind – jedenfalls genug, um sicherzustellen, dass beim zurück fliegen kein Koffergewicht mehr verschenkt wird! Bei ihrem Mittagessen konnten meine Freundinnen außerdem feststellen, dass die Essensportionen in den USA wohl wirklich größer sind als gedacht… Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war ein kurzer Besuch bei meiner Arbeit, dem Visitor Information Center in Burlington, wo sie meine Chefin Linda kennen lernten. Am Abend stand dann ein typisch Amerikanisches Essen bei Denny’s an, bei dem die zwei Mädels ihre Englisch-Kenntnisse herausholen und Fighter, Joelle, Aide, Insa und Romina kennen lernten – natürlich nicht, ohne ihren ersten Amerikanischen Burger zu essen, der sogar eine richtig gute Bewertung bekam.

Da ich auch am nächsten Tag bis um drei Uhr nachmittags arbeiten musste, verbrachten Eva und Anna den Tag mit meinem Gastvater Dale. Der verwöhnte sie erst einmal mit Bacon, Ei und Hash Browns (“Kartoffelschnipsel”, die wie Bratkartoffeln in der Pfanne zubereitet werden) und fuhr dann mit ihnen zum Deception Pass State Park. Danach waren die Beiden schon auf ihrer dritten Insel hier in den Staaten: Whidbey Island, der längsten Insel der USA. Dale wäre natürlich nicht Dale, wenn in Oak Harbor (einer Stadt auf der Insel) nicht auch ein Zwischenstopp für Eis in einem unserer Lieblingsläden drin gewesen wäre. Danach übernahm ich wieder “die Aufsicht für unsere Babies”, wie wir sie mittlerweile schon scherzeshalber nannten, und nahm sie mit zum International Travel Club Meeting, an dem ich wöchentlich teilnehme. Am Abend gab es dann wieder Burger, dieses Mal aber von Dale am Grill zubereitet (natürlich mit der richtigen Schürze!). Dazu lud ich Emily und Jeff ein, die meine zwei Mädels auch unbedingt kennen lernen wollten. Der Tag ging zu Ende mit einem DVD-Abend bei Aide und Raj zu Hause.

Am Donnerstag war es dann Zeit für einen größeren Ausflug zu dritt: Wir fuhren in den ca. zwei Stunden entfernten Mt. Baker Snoqualmie National Forest. Die Fahrt zuerst auf Highway 9 und danach auf dem Mt. Baker Highway bietete uns schon einen tollen Ausblick in die Landschaft von Skagit und Whatcom County. “Des hätt i ned glabt, dass’s bei dir so schee is!” hörte ich nicht zum ersten Mal an diesem Tag! Vor allem ich genoss die verschneite Landschaft am Ende des Highways – immerhin hatten wir den ganzen Winter lang kein einziges Mal Schnee! Kaum zu glauben, dass wir uns nach nicht einmal einer Stunde Fahrt auf dem Rückweg wieder in einer komplett anderen Umgebung befanden: Wir waren überall von mit Moos bewachsenen Bäumen umgeben. Wir genossen die Sonne noch eine Weile am Silver Lake und machten und schließlich auf den Weg zurück nach Mt. Vernon. Bevor wir jedoch zu Hause ankamen, wollten Eva und Anna noch Amerikanische Pommes probieren – nach mehreren Empfehlungen entschieden wir uns also dazu, diese bei Five Guys zu kaufen. Am Abend bescherten mir die beiden und Bene eine ganz besondere Freunde und bereiteten Käsespätzle für uns alle zu, natürlich auch für meine Gasteltern und Zhenzhen. Nach unseren Gesprächen in den letzten Tagen fehlt mir das Deutsche Essen eindeutig schon viel mehr! Auch Michal und Dale waren von dem Gericht begeistert. Zum Glück haben Eva und Anna auch ein Deutsches Kochbuch mit dem Rezept mitgebracht. Wie ihr auf den Bildern seht, muss übrigens nicht nur Dale die Bayrische Schürze in unserem Haus tragen…

Den letzten Tag verbrachten wir drei schließlich in Seattle. Wir starteten unsere Tour am SAM_0912ersten Starbucks, bei dem ich zwar schon zum vierten Mal war, den ich aber am Freitag zum ersten Mal ohne eine Schlange davor vorfand. Also ließen wir ihn uns natürlich auch von innen nicht entgehen! Danach ging es zum Pike Place Market, eines der berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Seattle. Dieses bewies uns wieder einmal, wie klein die Welt ist: Nicht nur ich hatte nämlich diese Woche Besuch und verbrachte den Tag mit meinen Deutschen Freundinnen in Seattle – auch Anneke, eine Teilnehmerin des PPP aus Portland, war mit ihrer Freundin aus Deutschland dort vertreten. Und wie es der Zufall so wollte, trafen wir uns genau vor Uli’s Bierstube!

Nachdem wir uns am Pike Place Market satt probiert hatten, ließen wir uns natürlich auch die Gum Wall nicht entgehen. Danach machten wir uns auf zur Waterfront, die wir zuerst entlang spazierten und dann vom Riesenrad aus einen wunderschönen Blick auf die Stadt genossen. Für einen richtigen Sightseeing-Tag in Seattle darf ein Besuch des Space Needles, das oft als Symbol für Seattle verwendet wird, auf keinen Fall fehlen! Vom International Fountain hat man einen besonders guten Blick von Nahem darauf. Dort war außerdem Zeit für ein kleines Picknick. Gestärkt ging es dann zu Fuß in den Kerry Park, von wo aus man einen tollen Blick über Seattle hat. Der Olympic Sculpture Park rundete unseren vollgepackten Sightseeing-Tag mit viel Laufen schließlich ab und wir ließen uns in einem Deutschen Restaurant am Pioneer Square das Essen schmecken, bevor es zum Sea-Tac Flughafen ging.

Schwer zu glauben, dass wir das ganze Programm tatsächlich in einer Woche durchzogen haben, oder? Mehr Zeit blieb uns aber leider nicht – ich glaube, die hätten wir alle gerne gehabt! Immerhin gibt es hier noch so viel mehr zu sehen – und so viel Essen zu probieren! Nach diesem Eintrag dürfte klar sein, dass ich nicht die einzige bin, die gerne Amerikanisches Essen probiert (und okay, zugegebenermaßen auch viele Fotos vom Essen macht).

Julia