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Der Mittlere Westen

Ein Trip nach Wichita, the Air Capital of the World – Von letzten Freitag bis Montag gings für mich nach Wichita in Kansas, wo ich meine Freundin Isabell besuchte. Schon im Flugzeug begann ich zu verstehen, warum jeder in Washington State wenn ich von meinem geplanten Trip erzählte mit “Was machst du denn in Kansas? Da gibt es nichts zu sehen!” reagiert hatte – vom Flieger aus sah man fast nur Felder und hin und wieder mal eine Farm. Als Europäer kam mir das richtig komisch vor, wir sind es einfach nicht gewohnt, dass auf einer riesen Fläche einfach mal NICHTS ist. Auch in Wichita, das immerhin fast 400.000 Einwohner hat, fühlt man sich nicht wirklich wie in einer Stadt. Mitten in Wichita sind immer mal wieder große Wiesen oder auch künstliche Seen. Ich hab mir aber sagen lassen, dass das auch so gewollt ist – schließlich ist um die Stadt herum richtig viel Platz, sie kann sich also noch voerst unbegrenzt ausdehnen. Sogar am Flughafen kam ich mir gleich fast wie Zuhause vor, was wohl an der Größe (ich war noch nie an so einem kleinen Flughafen), aber auch an dem Teppichboden liegt – mittlerweile wurde mir ja schon klar, dass die Amerikaner Teppichböden in ihren Häusern lieben, aber am Flughafen kam er mir dann schon etwas komisch vor. Schnell fiel mir auch auf, wie viel trockener alles hier im Gegensatz zum “Evergreen State” Washington ist. In Kansas wird es im Sommer nämlich ziemlich heiß und hat oftmals um die 40 Grad, während die Temperatur im Winter auch Minusgrade erreicht und es somit kälter als in Mount Vernon wird – trotzdem war der Kommentar auf meinen Wohnort von den Einheimischen natürlich immer “Da ist es doch total kalt, oder?”. Ein weiterer gravierender Unterschied ist, dass Kansas ziemlich flach ist und es (gerade auch deshalb) riiiiichtig windig ist. Ich glaube, ich war wirklich noch nie an einem so windigen Ort (auch die “windy city” Chicago kann mit Kansas eindeutig nicht mithalten)! Nicht schwer zu glauben also, dass es hier auch öfter mal Tornados gibt.

Am Freitag begaben wir uns erst einmal zusammen mit Isis Gastmutter Janette, ihrer Tochter und deren kleinen Sohn zum trick-or-treating in eine Straße in Wichita, bei der sich die Hausbewohner richtig Mühe geben, ihre Häuser Halloween-tauglich zu schmücken. Und Janette hat eindeutig nicht zu viel versprochen! Hier ein paar Bilder:

Trick-or-treating Trick-or-treating

Natürlich gab es auch ein Wizard-of-Oz-Haus, schließlich kommt Dorothy ja aus Kansas

Natürlich gab es auch ein Wizard-of-Oz-Haus, schließlich kommt Dorothy ja aus Kansas

Halloween

Danach ging es für Isi und mich auf eine richtige Halloween-Hausparty. Halloween heißt für die Amerikaner übrigens nicht, sich gruselig zu verkleiden, sondern alle tragen einfach normale Kostüme, wie man sie bei uns an Fasching kennt (darunter findet man auch Verkleidungen als “Oktobermiss” oder “Bavarian Guy”).

BeerPong!

Die nächsten Tage zeigte mir Isi (meistens mit der Unterstützung ihres Kumpels Brian) die schönsten Seiten von Wichita: Den Keeper of the Plains, Downtown, Old Town und die Mall durfte natürlich auch nicht fehlen. Außerdem besuchten wir das Field of Screams (so etwas ähnliches wie der Haunted Forest, den ich in Mt. Vernon ja schon besucht hatte – nur mit Maisfeldern und mehreren Häusern, durch die man teilweise mit 3D-Brillen laufen musste) und ein Kino, bei dem man Essen an seinen Kino-Sitz bestellen kann. Man hat natürlich vieel mehr Platz vor sich und bekommt das Essen auf einem Tablett serviert. Den Kellner kann man mit einem roten Knopf her bestellen. Am letzten Tag zeigten mir Isi und Brian dann noch das Butler Community College, das sie hier besuchen und nach einem Stopp beim ersten Pizza Hut ging es nochmal in ein richtiges western-style Restaurant.

Nach meinem Trip nach Kansas kann ich sagen, dass ich mal wieder überrascht war, wie sehr sich die Staaten in den USA voneinander unterscheiden. Viele Vorurteile, die wir Deutschen von Amerika haben, sind in Kansas eindeutig eher oder noch mehr bestätigt als im Nordwesten (bestehend aus Oregon, Washington und Idaho):

  • Recycling ist eher eine Ausnahme, man muss sogar dafür bezahlen, wenn man recyclen will
  • ALLES ist auf Autos ausgerichtet – die ganze Zeit habe ich keinen einzigen Fahrradfahrer gesehen und meistens gibt es auch weder Fahrrad- noch Fußgängerwege. Auch Downtown Wichita ist nicht sehr gut zu Fuß zu erkunden.
  • Oft sind die Leute ziemlich konservativ eingestellt: Mädchen und Jungs dürfen sich ohne verheiratet zu sein meist nicht allein in einem Raum aufhalten (oder sollten dann lieber die Tür offen lassen); außerdem sind viele Mädchen mit 20 schon verheiratet und bekommen Kinder
Pumpkin Cookie

Pumpkin Cookie!

Wieder in Mount Vernon angekommen bekomme ich übrigens gerade die Nachwehen von Halloween zu spüren: Mir kommt es so vor, als hätten alle Leute entweder zu viele Süßigkeiten gekauft oder die Kinder haben zu viel beim trick-or-treating bekommen. Jetzt muss ich also tagtäglich in der Arbeit vor einer riesen Schüssel mit Süßem sitzen – und das Ganze geht beim Volunteering in der Bücherei und im Kino weiter! Und auch die Kürbis-Saison scheint kein Ende zu nehmen: Ich entdecke ständig wieder neue Leckereien mit Pumpkin Spice, die ich zu meinem letzten Blogeintrag noch hinzufügen könnte, und laut meinen Gasteltern kann ich erst an Weihnachten mit einem Ende rechnen.

Bis bald!

Julia