Church
6. September 2014
Greg und Beth sind Zugehörige einer Kirche.
Das ist hier ganz normal. Es gehört so ein bisschen zu der Art Mensch die man ist. Wenn man mehr über jemanden erfahren will, fragt man: Welcher Kirche gehörst du an?
Es gibt hier auch nicht einfach: Evangelisch und Katholisch. Es gibt zahlreiche Unterarten.
Diese Kirche wird liebevoll von manchen Leuten “Hippiechurch” genannt. Weil es eine so offene, alle willkommen heißende Kirche ist. Zum Beispiel gegenüber Homosexuellen. Leider ist das hier nicht durch und durch normal.
Ich habe mich dem Kirchenchor angeschlossen und die Lieder sind wirklich wunderschön. Am ehesten erinnert mich diese Art der Gemeinde an Taizé. Man kann Trost und Frieden finden.
Wer jetzt denkt: das klingt nicht nach Lara?! .. irrt sich vielleicht ein bisschen. Diese Kirche ist für die Menschen nicht wie in Deutschland ein Ort an dem man erscheinen muss, wenn man irgendwie zeigen möchte, dass man wirklich fromm ist. Die Kirche hier ist weniger ein Ort als eine Gemeinschaft. Die Leute kennen sich alle. Wenn jemand krank wird, wird fuer die Person gebetet. Die Themen des Gottesdienstes (auch hier passt das Wort “worship” einfach viel besser) sind immer aktuell. Die Reden sind unglaublich gut, die Bezüge liegen den Pfarrerinnen wirklich am Herzen. Es ist normal viel über sich zu erzählen und seine eigene Erfahrung mit in die Rede einzubauen. Es geht hier darum, dass man sich gegenseitig umeinander kümmert.
Nicht zu vergessen, die ganze wunderschöne Musik.
Am liebsten jedoch habe ich den “Children’s moment”. Ganz zu Anfang setzen sich alle anwesenden Kindern zu der Pfarrerin (sind in dieser Kirche alle weiblich) und es gibt ein paar Minuten, in denen die Kinder sich mit der Pfarrerin über das Thema austauschen, das auch Thema des ganzen Gottesdienstes ist.
Das ist immer wahnsinnig niedlich. Letzte Woche hat eine der Damen, die mit im Chor ist, aber sehr aktive Musikerin mit wundervoller Stimme, ein Konzert abends in der Kirche gegeben. Dazu gab es dann selbstgebackene Leckereien amerikanischer Art, die man für Spende erwerben konnte! Auch das ist hier viel normaler, einfach mal was machen, was man gern tut, aber nicht für Geld. Es macht fast jeder hier irgendwas, das ihm/ihr am Herzen liegt oder hat es zumindest. Dieses Geld ging an eine Kinderstiftung.
Das ist das nächste Gute. Die Gemeinde sammelt aktiv Geld, um sich sozusagen selbst zu organisieren und zu bezahlen. Und natürlich geht es nicht nur um die anstehenden Reparaturen, es geht um Spenden. Das einzig anstrengende ist dann noch zu entscheiden, wo das Geld hinkommt. Und das macht nicht der Pfarrer oder irgendjemand der ganz oben steht, sondern das machen alle, die sich für die Kirche einsetzen aktiv gemeinsam. Es ist einfach nicht nur ein Ort, die Kirche. Hier ist es mehr eine gute Idee.
Noch ein Thema möchte ich dazu ansprechen. Eigentlich wollte ich dazu einen Beitrag für sich machen, aber es gehört in dem Fall für mich zur Kirche. Ich hoffe, dass alle in Deutschland nicht drumherum gekommen sind, sich über Ferguson zu informieren. Das ist zum Einen bei weitem kein Einzelfall, da geht es nicht nur um rohe Polizeigewalt. Da geht es mal wieder um die Privilegien der Weißen. Um die widerwärtige Ausnutzung dieser Previlegien. Es geht zum Anderen vorallem um eine Bewegung insgesamt. Um eine Aufdeckung all dieses Missbrauchs. Und welche Meinung man dazu hat, hängt davon ab, welche Partei man wählt.
Hier sind Nachrichten nicht so wie in Deutschland, dass man an bestimmten Sachen einfach erkennt, ob der Sender oder die Zeitung eher mitte-rechts oder eher links oder so ist. Hier ist es alles entweder Republican oder Democrats. Die Democrats sind die Liberalen und bei dem Wort darf man hier auf keinen Fall an die FDP denken. Es meint liberal im Sinne von Freiheit (ohne Markt). Die meisten werden das alles ja schon wissen. Überrascht hat es mich dennoch, denn obwohl man all sowas hört, wie “schlecht” Medien hier sind, haut es einen dennoch irgendwie um. Je nachdem ob man News von den Republicans oder den Democrats ansieht, bekommt man zwei völlig unterschiedliche Seiten dargestellt. Beide gnadenlos unobjektiv.
Es ist als würde man die Fakten über einen Vorfall sammeln wollen, indem man die Bild und die Titanic vergleiche. Hinterher weiß man noch weniger, was man glauben kann, als vorher.
Was ich damit meine ist, dass es wie es mir im gesamten System hier zu sein scheint, es weniger darauf ankommt, was berichtet wird, als wie. Mit anderen Worten, es gibt keine Medien die auch nur versuchen, irgendwas neutral und faktisch basiert zu verklickern. Sie tun nicht mal so. Das ist eine ganz schöne Umstellung für mich.
Ich beginne Dinge zu wertschätzen, von denen ich es nie für möglich gehalten hätte! Ich hoffe, das ist eine gute Sache.