We sing her song

Das erste, was ich direkt nach meiner Ankunft aus Washington D.C. im Februar gemacht habe? Nicht wie man denken würde: Koffer auspacken, schlafen, aufräumen. Ne, erstmal ging es, wie schon im Dezember angekündigt, zum Vorsingen im Kansas City Women’s Chorus.

Ich begleitete also Lara zur wöchentlichen Chorprobe und wurde direkt involviert. Hier ein Formular ausfüllen, dort Musiknoten abholen, Chorrobe beantragen und und und. Da ich die offiziellen „Auditions“ im Januar verpasst hatte, durfte ich einfach während der Pause mit unserem Dirigent Lamar in einen separaten Proberaum und dort vorsingen. Der steckte mich dann völlig überzeugt zu den zweiten Sopranos und schon ging es los. Am Anfang war natürlich alles super neu und ich versuchte mich mit Ach und Krach ans Notenlesen zu erinnern. Lang ist’s her! Dazu kam, dass ich nur eines der 17 Stücke jemals vorher gehört hatte. Aber gut, aller Anfang ist schwer und mit der Zeit wurde es leichter und vor allem das Wichtigste: Es machte so viel Spaß mit all den anderen 70 Sängerinnen und deren unglaublichen Stimmen zu singen und langsam aber sicher auf eine bühnenreife Performance hinzuarbeiten.

Hier übrigens eine kurze Kostprobe zu Brave, original von Sara Bareilles  (meine iPhone Qualität lässt etwas zu wünschen übrig…)

Jeden Montag Abend hieß es also für 4 Stunden Chorprobe und ich hab mich noch nie so auf Montage gefreut wie in dieser Zeit. Nach einigen Wochen waren die einzelnen Musikstücke schon auf recht gutem Niveau und unser Lamar stellte zudem sicher, dass auch die kleinsten Fehler eliminiert wurden. Dann allerdings kam unser sympathischer „Choreograph“ Dudley ins Spiel und hatte für fast jedes Stück eine wunderbare Idee parat, um es optisch etwas aufzupeppen. Da machte sich schnell Frust breit mit all den „Hands up, Down, Snap, Hands back, Hands clapping…“. Vor allem die „Body Percussion“ zu „Bring me little Water Sylvie“ war eine Herausforderung, sogar bis kurz vor den Konzerten. Doch mit seinen überaus charmanten Anweisungen bekamen wir auch das schließlich gebacken.

Die Konzerte standen im Übrigen unter dem Motto: „We sing her Song“ mit wunderschöner Musik von Sängerinnen und weiblichen Songwritern unserer Zeit. Moderatoren für die Konzerte waren Millie Edwards, eine bekannte Kansas City Jazzsängerin und Jolie Justus, die bis vor kurzem noch Senatorin für Missouri war.

Eine Woche vor den Konzerten wurde es dann ernst. Es gab viele Proben nur für Choreographie, Licht, Kleidung und Band. Das erste Konzert am Samstag verlief nahezu perfekt und was mich wirklich überraschte, ohne jegliche Aufregung meinerseits. Am Sonntag war dann alles ziemlich chaotisch und zudem war ich an diesem Tag ziemlich nervös, denn meine deutsche Familie, meine amerikanische Familie und meine Freunde saßen an diesem Tag im Publikum. Backstage ging es auch ziemlich drunter und drüber, denn es wurden Gruppenbilder gemacht und ich stand quasi mit halbaufgetragenem Lippenstift vor der Kameralinse, haha. Eine Minute vor Konzertbeginn packte ich dann noch mein Glätteisen aus und daraufhin bekam Lara einen kleinen Ausraster. Großes Kino, haha. Die allerschönste Erkenntnis: Trotz größtem Stress – sobald wir die Bühne betraten, war alles verflogen und wir hatten enormen Spaß dort oben. Zwar waren wir an diesem Abend stimmlich nicht auf dem Niveau wie Samstag, dennoch klappte es diesmal besser mit all unseren Choreographien. Nach jedem Song konnte ich außerdem meine Hostmum Brenda aus dem Publikum hören, wie sie ein „Ahaa!“ oder „Great!“ in die Menge jubelte, das war süß!

Leider war es dann auch schon fast vorbei mit allem. Eine Woche später stand jedoch noch ein letztes Projekt an: Die Aufnahme der Konzertlieder für die zweite CD des Kansas City Women’s Chorus. Da man über 70 Sängerinnen nicht in ein Tonstudio packen kann, wurde einfach die Konzertbühne zu einem Tonstudio umfunktioniert. Nach sechs langen Stunden Stehen auf den Konzertstufen waren die Songs schließlich im Kasten und eine Welle der Erleichterung machte sich unter allen Sängerinnen breit, denn das war wirklich nochmal ein starkes Stück Arbeit.

Schon lange kann ich nicht mehr richtig in Worte fassen, was ich hier erlebe, wie bereichernd es für mich ist und wie dankbar ich für all diese Erfahrungen bin. Ich bin regelmäßig von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen um mich herum überrascht und ich kann nicht sagen wie froh ich bin, genau hier in Kansas City das wohl aufregendste Jahr meines Lebens zu verbringen.

Walking in Memphis

Die Zeit verfliegt nur so und unser Auslandsjahr neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Jetzt heißt es also Prioritäten setzen für all die Dinge, die man unbedingt gesehen haben muss, bevor man das Land verlässt. Und deshalb dachten wir einfach mal: „Wie siehts denn so aus mit Memphis?“, „Memphis, like Elvis und Blues und so?“, „Jaa, wir müssen unbedingt nach Memphis!“, „Okay, dann los nach Memphis!!“

Von Kansas City nach Memphis ist es quasi nur ein Katzensprung. In weniger als acht Stunden kamen Lincoln-Anna, Wichita-Isa und ich direkt in der Beale Street an. Die Beale Street, auch bekannt als „Home of the Blues“, ist eine von wenigen Straßen in den USA, in welchen man legal mit Alkohol herumlaufen und diesen wirklich trinken (!) darf (weitere Straßen lassen sich in Las Vegas, New Orleans, Kansas City usw. finden). Die Straße hat einiges an Geschichte zu erzählen und wenn man all die Touristen ausblendet, könnte man fast denken, man ist in eine Zeitmaschine geklettert und einmal in die Vergangenheit gereist. Die bunten Lichter der Bars, Clubs, Restaurants und Shops versetzen einen gerade nur so in Feierstimmung und man muss sich nicht mal in den Lokalen aufhalten, denn Blues-Musik ertönt draußen von allen Seiten. Außerdem fiel uns sofort auf, dass viele Afroamerikaner in Memphis zu Hause sind, die mit ihren Tänzen und Musikeinlagen gute Laune verbreiten. Besonders süß fanden wir auch die Pferdekutschen, die einen Cinderella Kürbis aus Lichtern hinter sich herzogen und durch die Straßen fuhren. Die Kehrseite von alldem Trubel ist wohl die vierthöchste Kriminalitätsrate in den USA, denn rundum die Beale Street standen Dutzende Polizeiwagen, um alles schön abzuriegeln.

Am nächsten Morgen ging es, zwar mir Verspätung, aber mit größter Vorfreude zu Elvis Presley’s Graceland. Als wir ankamen gab es bereits lange Warteschlangen an den Ticketschaltern und wir befürchteten schon das Schlimmste. Vor uns in der Schlange standen ein paar deutsche ältere Touristen, die sich lauthals über all die verschiedenen Ticketmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten in Graceland unterhielten und wir standen nur da mit großen Fragezeichen im Kopf, denn es gab 5 verschiedene Arten von Touren: Graceland Mansion Tour, Graceland Platinum Tour, Graceland Platinum Tour+Airplanes, Elvis Entourage VIP Tour und Elvis Entourage VIP Tour+Airplanes. Whattheheck?!. Wir entschieden uns für eine einfache Platinum Tour, denn alles andere war wirklich nur eine „Touristenbeschäftigungsmaßnahme“. Die nette Dame am Ticketschalter ließ uns dann auch gleich wissen, dass wir ziemlich Glück hätten und an diesem Tage nur 2 Stunden warten müssten, juhuu! Wir schauten uns also die verschiedenen Elvis Ausstellungen an, die sich entlang des Elvis Presley Boulevards reihten und in unserer Tour inbegriffen waren. Und ja, es war eigentlich schon ein netter Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte: Ausgerüstet mit einem iPad für die interaktive Audiotour warteten wir danach auf einen der kleinen Shuttlebusse, die uns heile über die Straße und hinauf zum Elvis Anwesen bringen sollten. Was ich besonders toll fand: John Stamos, besser bekannt als Onkel Jesse aus Full House, moderierte die gesamte Audiotour. Einen größeren Elvis Fan hätte es wohl hierfür nicht geben können. Die Tour startete im Wohn- und Esszimmer, führte durch weitere Räumlichkeiten wie dem Jungle Room, Music Room, Racquetball Building, Meditation Garden und endete schließlich an seinem Grab hinter dem Pool. Am Ende schauten wir uns noch Elvis’ beeindruckende Autosammlung an und mit unzähligen Elvis Ohrwürmern ließen wir den King of Rock ’n‘ Roll dann auch für diesen Tag hinter uns. Egal ob Fan oder Nicht-Fan: Ein Muss für alle Memphis Besucher!!

Gerade richtig zum Sonnenuntergang machten wir es uns am Mississippi bequem und schauten den Mississippi Dampfern zu, wie sie im Wasser umhertuckerten. Danach traten wir den Heimweg Richtung Missouri an, um auf halber Wegstrecke die Nacht in Springfield zu verbringen. Zum Abschluss des Wochenendes gönnten wir uns schließlich noch ein bisschen Naturkunde in den Fantastic Caverns – eine der vielen Tropfsteinhöhlen in Missouri. Das sollte es dann aber auch wirklich für dieses Wochenende – ohne weiteren Zwischenstopp – gewesen sein…

 

Von Kansas nach Arkansas

The Wanderlust is back! Und tatsächlich hatte Isa und mich die Wanderlust gepackt. So direkt vor unserer Haustüre in Arkansas. Jetzt fragt Ihr euch bestimmt was man denn in Arkansas sehen kann und schlimmer noch, was das überhaupt ist, oder? Arkansas (nicht ausgesprochen wie Kansas, sondern „Ar-Ken-Saw“) wird auch als „Natural State“ der USA bezeichnet und hat, wie der Name schon sagt, viiiel Natur zu bieten.

Ohne richtiges Ziel fuhren wir freitags los und landeten gegen Nachmittag in Eureka Springs – dem wohl kurvigsten und hügeligsten Örtchen, dass ich je gesehen habe in den USA. Es liegt in den Ozark Mountains und hat für seine Größe doch einiges zu bieten: Eine wunderschöne Altstadt mit überaus verwirrenden Verkehrsregeln; The Christ of Ozarks Statue (eine 20 Meter hohe Christusstatue, die der in Rio de Janeiro sehr ähnelt) und daneben ein Freilichttheater für Passionsspiele, das dem in Oberammergau nachempfunden wurde. Nicht vergessen sollte ich wohl das Crescent Hotel, was auch als das „spukendste“ Hotel Amerikas bezeichnet wird. Ursprünglich als Hotel vorgesehen wurde es zu einem College umfunktioniert und danach zu einer Krebs-Heilanstalt. Heute ist es wieder ein Hotel und angeblich sollen dort mindestens acht Geister ihr Unwesen treiben. Wir gönnten uns also nach dem Abendessen eine Geistertour durch die Gänge und Katakomben des Gebäudes.  Das Mädel, dass die Tour leitete packte alle möglichen Geschichten über Geister und Tote aus und irgendwie war sie schon ein bisschen gaga. Obwohl ich nicht unbedingt an Geister glaube, fand ich es allerdings doch sehr gespenstisch. Ich meine, wenn ich mich schon auf dem Weg vom Hotelausgang zum Auto wie ein Äffchen an Isa klammere, muss es schon arg schlimm sein, haha.

Am nächsten Morgen entschieden wir uns für einen Trip zum Petit Jean State Park. Auf dem Weg dorthin erinnerte uns die Natur total an die deutschen Wälder, ja fast so wie im Spessart. Zuerst versorgten wir uns mit genügend Infos im Welcome Center und wir merkten schnell, dass wir locker den ganzen Tag dort verbringen konnten. Das Highlight war eine zweistündige Wanderung zu einem Wasserfall und bis Sonnenuntergang schafften wir es schließlich auch zum letzten Aussichtsturm, wo wir einen weiten Blick über die Landschaft und den Arkansas River hatten.

Hier noch ein kurzer Fun Fact: Petit Jean ist der Name einer jungen französischen Frau aus dem 18. Jahrhundert. Als sie erfuhr, dass ihr Verlobter eine Erforschungsreise in die USA plante, schnitt sie ihre Haare ab, gab sich als Junge aus bekam eine Stelle als Schiffsjunge. Sie überlebte die lange Reise und ging mit der Gruppe, worunter auch ihr Verlobter war, das Land erforschen. In den Bergen des jetzigen Petit Jean State Park wurde sie krank und auf dem Sterbebett offenbarte sie sich ihrem Verlobten schließlich. Sie wurde auf dem Berg begraben, allerdings unter ihrem Jungennamen „Little John“. Schön, nicht?

Halb am verhungern ging es am Abend noch zu unserem letzten Stopp nach Hot Springs. Hot Springs, das einst das Zuhause vieler Indianerstämme war, wurde im Laufe der Zeit zu einem Spa und Wellnessort für Amerikaner. Es ist kleines Städtchen mit vielen antikaussehenden Badehäusern, vor denen heißes Quellwasser aus den Fontänen sprudelt. Hinter den Gebäuden findet man natürliche Quellen, aus denen heißer Dampf hervorsteigt. Da es etwas kühl und unangenehm an diesem Tag war, hätte ich meine Hände stundenlang im Quellwasser wärmen können. Leider war es wiedermal Sonntag und demnach mussten wir uns auch schon bald von Arkansas verabschieden.

Nach diesem Roadtrip wandert Arkansas zweifelsohne in meine Lieblingsstaatenliste!

Patrick & St Patrick’s Day

Eigentlich ist jeder Tag für mich hier in Kansas ein Tag vollgepackt mit Patrick. Ich glaube meinen besten Freund Patrick muss ich euch nicht mehr vorstellen, denn er sollte wirklich allgegenwärtig in meinem Blog sein. Wie es die Überschrift schon verrät, gab es irgendwann vor langer Zeit im März einen St Patricks Day (entschuldigt mich für die sehr lange Schreibpause, es war ziemlich turbulent die letzten zwei Monate). Genauer gesagt war es der 17. März und das ist mit Abstand der grünste Tag in den USA. Es ist der Gedenktag des irischen Bischofs Patrick. Allerdings kommt einem dieser ehr religiöse Aspekt nicht sofort in den Sinn, wenn man an die amerikanische Ausgabe dieses Feiertages denkt. Vielmehr widmet man sich hier grünem Bier und St. Patricksday-Paraden und auf den Straßen trifft man überall grünverkleidete Feierwütige. Die größten Paraden gibt es natürlich dort, wo sich die meisten irischen Nachfahren in den USA tummeln, d.h. in den meisten Städten der Ostküste bis hinein in den mittleren Westen und besonders in Chicago wird nicht an Feierlichkeiten gespart.

Mit größter Spontanität, so gefühlte 24 Stunden vor dem St. Patricks Wochenende, hatten Patrick und ich die Eingebung für das Wochenende nach Chicago zu fahren. Kaum zu glauben, dass mein Chef da immer wieder mitspielt und unsere verplanten last-minute Trip-Planungen mit Kopfschütteln unterstützt.

Trotz alledem saßen wir Freitagnachmittags startklar im Auto und gleich im Anschluss nach aller Euphorie über unseren ausgeklügelten Plan steckten wir dann gleich mal gefühlte 3 Stunden im Overland Park Stau fest. So ganz nach unserem Geschmack. Zehn Stunden später schafften wirs dann gerade noch so ins Motel in Chicago. Absolut gutes Viertel, auf dem Parkplatz wurden wir von drei Polizeiwagen und einigen Schwerverbrechern begrüßt. Na wenigstens war ich dann wieder wach. Nach einer kurzen Nacht – unsere Zimmernachbarn vergnügten sich ziemlich laut – ging der Wahnsinn los. Patrick sammelte seine Freundin Lila im Stadtteil Schaumburg ein und kurzdrauf fanden wir uns in einer ziemlich grünen Chicago-Downtown wieder. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Grüne Menschen, grüner Chicago River, grüne Paraden, und jede Menge Craziness und sogar ins Fernsehen haben wirs geschafft. Leider versperrten uns all die grünen Kreaturen fast gänzlich die Sicht auf die Paraden und dank überlastetem Internet hatten wir Schwierigkeiten uns mit anderen PPPlern zu verabreden. Nach der ganzen Aufregung waren wir super platt und kurz davor auf der Stelle einzuschlafen, aber ich konnte es mir nicht nehmen lassen Pääätii und Lila zu Vapiano zu schleifen. Ein wenig deutsch-italienische Esskultur hat ja noch keinem geschadet (Ehrlichgesagt war’s nur ein Vorwand um ein paar Haribo Gummibärchen beim Checkout zu ergaunern.)

Die Nacht verbrachten wir bei Lilas französischer Familie mit sieben Katzen. Und wir mittendrin. Achja, und Patrick hat eine schlimme Katzenallergie. Armer Kautz. Lilas Onkel ist ein ziemlich frecher Bursche und er hatte sichtlich Spaß uns mit schönstem französischem Akzent auf den Arm zu nehmen. Nach einer vollen Ladung Donuts am nächsten Morgen mussten wir auch schon wieder zurück auf die alte Route 66 Richtung Kansas City. Wochenende 33 hier in den Staaten, das ich so schnell nicht mehr vergessen möchte.

 

 

 

Rasend schnell verging die Zeit am Capitol Hill und kaum hatte ich mich versehen, da waren auch schon sechs Wochen vorbei. Die Tage waren normalerweise sehr lang, begannen früh morgens um sechs und endeten nicht selten gegen Mitternacht. So ein Tag beinhaltete normalerweise drei Stunden Pendeln in der Metro, 8 Stunden arbeiten und danach eine Veranstaltung am Abend.

Mit einem „Welcome to Team Chabot“ wurde ich am ersten Tag von meinem Büro begrüßt. Allerdings ging es dort noch drunter und drüber, denn es war der Beginn des 114. Kongresses. Das heißt so viel wie: neue Mitarbeiter, neue Aufgabenverteilung, neue Ausschüsse, einfach alles neu. Da fiel es auch nicht sonderlich auf, dass ich die ersten drei Tage verspätet ankam. Das jedoch war nicht unbedingt meine Schuld (Früheres Aufstehen ist in meinen Augen keine Option, haha). Ich konnte ja nicht ahnen, dass bei ein bisschen Schnee das öffentliche Nahverkehrsnetz zusammenbricht. Ein Hoch auf die Deutsche Bahn!

Es gibt übrigens drei Bürogebäude für die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses: Cannon, Longworth und Rayburn, in welchem ich die meiste Zeit arbeiten durfte. Diese befinden sich auf der Südseite der National Mall, also auf der rechten Seite zum Kapitol. Alle drei Gebäude sind durch unterirdische Tunnel mit dem Kapitol und weiteren Gebäuden wie den Senatsbürogebäuden und der Library of Congress verbunden. Diese gleichen fast schon einer kleiner unterirdischen Stadt, denn man findet fast alles, was man an so einem gewöhnlichen Tag gebrauchen kann: Kantinen, Geschenkeläden, Schreibwarenläden, Elektroläden, Postämter, Schuhputzer, Apotheken usw. Verlaufen war in den ersten Tagen also auf jeden Fall an der Tagesordnung!

Neben administrativen Aufgaben durfte ich Anhörungen der verschiedenen Ausschüsse und Briefings besuchen oder bei Touren durch das Kapitol unterstützen. Außerdem gab es weitere Veranstaltungen, wie unter anderem den „March for Life“ (Anti-Abortion-Demonstrationen). Hierfür empfingen wir rund 900 junge Menschen aus dem Ohio-Wahlkreis und versorgten diese mit „Chick-fil-A“-Lunchboxen. Nebenbei feierten wir auch gleich noch den Geburtstag meines Congressmans mit drei riesigen und knallbunten Zuckergusstorten. Das wohl süßeste Event am Hill war das „Adopt-A-Puppie“ bzw. „Hundewelpen und Katzenbabies“-Knuddeln. Die wissen auf jeden Fall, wie sie die Angestellten bei Laune halten können. Den Abschluss der Arbeitswoche durften wir dann einige Male im Capitol Hill Club feiern, Kontakte sind in diesem Fall wirklich alles!

Weitere externe Events waren beispielsweise ein Besuch in der deutschen Botschaft, eine White-House Tour, eine Veranstaltung von Cultural Vistas über das „International Visitor Leadership Program“, ein CBYX-Alumni Treffen sowie ein International Dinner mit meinem PPP-Paten Bernd Rützel und der restlichen deutschen Delegation, die für das National Prayer Breakfast in der Stadt waren. Das war ein urkomischer Abend mit fast nur fränkischen bzw. fränglischen Unterhaltungen.

Auch die Wochenenden kamen nicht zu kurz. Da unser Mathias direkt am Hill wohnte, durften wir uns dort für die Wochenenden immer wieder mal einquartieren (Nach Hause Pendeln nach Sightseeing, Feiern und anderen Veranstaltungen macht keinen Spaß!). Die To-Do-List für Sightseeing in DC war endlos lang und ich glaube man kann sich wirklich jahrelang in der Stadt aufhalten und immer noch nicht alles gesehen haben (mehr als 200 Museen!). Deshalb gaben wir uns freiwilligerweise schnell geschlagen und planten Trips nach Mount Vernon (George Washingtons Landsitz), Annapolis (hübsches Fischerstädtchen mit Sitz der US. Naval Academy), Baltimore und Philadelphia.

Zwischen all dem Stress blieb zum Glück noch ein bisschen Zeit mit meiner Hostmum Sandie verschiedene kulinarische Restaurants der Stadt auszuprobieren und auch Lara stattete uns einen Besuch ab. Wir verbrachten die Tage hauptsächlich bei Rachel und Kevin in Virginia, natürlich mit der üblichen Beschäftigung: Wein, Schokolade und viel zu viel Wortwechsel.

Die Zeit in der Hauptstadt war wahrscheinlich das Highlight schlechthin meines Auslandsjahres. Was sich allerdings auf jeden Fall in den letzten Wochen für mich mal wieder bestätigt hat: der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es ist immer etwas unangenehm aus seiner Komfortzone rauskatapultiert zu werden und sich wieder und immer wieder an alles Neue gewöhnen zu müssen. Zuerst bin ich die ersten Monate im Mittleren Westen der USA, dort wo einem Cowboys über den Weg laufen, und vermisse Deutschland. Schwuppdiwupp finde ich mich auf einmal an einem Ort mit anderer Kleidungsordnung, „Sprache“ (ja, politisches Englisch ist ganz anders) und Benehmen wieder und vermisse ‘the simple and artful Kansas City’. Keine Frage, there is no place like home – and I feel more and more at home here in KC!

Save CBYX!

Wir brauchen Eure Hilfe! Diese Woche wurde öffentlich bekanntgegeben, dass die Finanzierung des Parlamentarischen Patenschafts-Programms von amerikanischer Seite um 50 % gekürzt werden soll, da das Department of State die Gelder für anderweitige Programme in Asien verwenden möchte. Im Moment kommt noch der Deutsche Bundestag für die Kosten auf, doch das ist nicht die langfristige Lösung. Der Fortbestand des gesamten Programms ist gefährdet.

Bereits letzte Woche haben wir uns zusammen mit Rob, dem CEO von Cultural Vistas und dem Kongressabgeordneten Glenn Thompson getroffen, um über die Zukunft des Programms zu sprechen. Congressman Thompson setzt sich sehr für die Deutsch-Amerikanische Freundschaft ein und weiß, wie fatal diese Kürzungen für die zukünftigen Jahrgänge und natürlich für die transatlantischen Beziehungen sein können. Auch wir als Vertreter des Programms versuchen im Moment unsere Kongressabgeordneten mit ins Boot zu holen und werden in den nächsten zwei Wochen mit allen Mitteln versuchen, Druck auf das zuständige Komitee auszuüben.

Auch Ihr könnt helfen, indem Ihr die Online Petition unter www.savecbyx.org bzw. www.saveppp.org unterschreibt.

Helft uns dieses einmalige Programm zu erhalten. Transatlantic Relations Matter – Now More Than Ever! Thank You!

CIP

Von Florida aus nahm ich den Flieger nach Washington D.C., den ich fast verpasst hätte, da wir gefühlte zwei Stunden im Disneyworld-Stau in Orlando standen. Gedanklich hatte ich auf jeden Fall schon „Sorry, will be 2 days late“-Emails verschickt. In letzter Minute erreichte ich jedoch noch meinen Flug und dieser war übrigens auch ein kleines Erlebnis für mich, denn – ihr könnt jetzt ruhig lachen – es war das erste Mal, dass ich ganz alleine in meinem Leben geflogen bin, hach wie aufregend!! Okay gut, so spektakulär war es dann wirklich nicht. Viel spektakulärer jedoch war es, meine neue Hostmum für die nächsten Wochen kennenzulernen. Da stand ich nun am Flughafen in der Kälte Washington D.C.s und bin noch damit beschäftigt den Wetterumschwung von Florida 80° F auf D.C. 30° F zu verkraften, kommt schon meine neue Gastmutti Sandie mit ihrem Geländewagen um die Ecke und verbreitet gute Laune.  Bei ihr werde ich die nächsten Wochen in ihrem hübschen Haus in Bethesda wohnen, während ich durch das Congressional Internship Program für einen Abgeordneten des Kongresses arbeite.

Sonntagabends lud Cultural Vistas zu einem gemeinsamem Abendessen in ein Szene-Lokal nach D.C. ein, wo wir die Gastfamilien der anderen Teilnehmer und natürlich endlich Jessica, die neu im Team von CV ist, kennenlernten. Es ist doch immer wieder verblüffend, dass so viele Gastfamilien einen Draht zu Deutschland haben und sogar die Sprache beherrschen. Wir haben jedenfalls fast nur deutsch bzw. denglisch miteinander gesprochen. Annas Gastmutter, die übrigens auch aus Deutschland ist, hatte vier Jahre im Congress gearbeitet und uns gut mit Insiderwissen versorgt aber auch die anderen Hosts hatten einiges an Gesprächsstoff zu bieten. Solch interessante Hosts habe ich selten getroffen! Gerade als Jessica uns gegen Ende die „Spielregeln“ der kommenden Wochen erklären wollte, gab es einen fünfzehnminütigen Dauer-Feuer-Fehlalarm, wäre ja auch ohne zu einfach und zu schön gewesen.

Am nächsten Morgen wurde es dann Ernst. Oder auch nicht. Wir trafen uns zuerst gediegen auf einen Kaffee und als wir uns nach einer Stunde dann alle eingefunden hatten, besuchten wir das Department of State. Dort waren wir zu einem tollen Meeting eingeladen, denn wir durften über unsere bisherigen Erfahrungen als Junior-Botschafter berichten. Außerdem sprachen wir mit den Vertretern des State-Departments über die wichtigen transatlantischen Beziehungen und natürlich über aktuelle politische Themen. Nach einem Mittagssnack in einem französischem Café am Capitol Hill durften wir unsere Büros „persönlich“ kennenlernen und die Arbeit konnte beginnen, doch dazu bald mehr!

Happy New Year!

Frohes Neues Jahr Ihr Lieben, ich hoffe Ihr hattet alle einen guten Rutsch! Um Silvester wurde es nochmal superkalt und unangenehm hier in den Vereinigten Staaten, außer natürlich – wie der Name schon sagt – im Sunshine State, besser bekannt als Florida! Wir wollten das letzte Jahr gebührend verabschieden und so buchten wir für eine Woche eine hübsche Villa nahe Orlando, um dort Silvester zu verbringen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag packten Patrick, Anna und ich das Auto und es ging los. Next Stop: Sonne. Naja, erstmals hieß es für die nächsten 18 Stunden Schnee, Regen, Eis; doch an der Grenze zu Florida wurde es warm und sonnig! Nach einem Tag Autofahrt und einigen Energy-Drinks später standen wir dann endlich und ziemlich übernächtigt vor unserem Feriendomizil. In den nächsten Tagen trafen die restlichen 15 PPPler ein und die Feier konnte beginnen. Es war wirklich toll, wieder ein paar alte Gesichter der PPP-Familie zu sehen und zusammen Zeit zu verbringen und eigentlich setzten wir einfach wieder da an, wo wir in New York aufgehört hatten. Die eigentliche Silvesterparty veranstalteten wir in der Villa mit leckerem Essen und anschließender Poolparty, dazu jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen keine weiteren Details, haha. Aber auch die anderen Tage waren Highlights. So verbrachten wir zum Beispiel einen Tag am wohl schönsten Strand Floridas, wo sich der weiße Sand wie Puderzucker anfühlte; wir nahmen die lange Fahrt bis zum südlichsten Punkt der USA in Key West auf uns und sahen einen bildschönen Sonnenuntergang, während eine Sonnenuntergangsparty im Gange war; wir verbrachten einen Tag in Miami Beach, spazierten lange am Strand entlang und schlenderten durch die berühmten Einkaufsstraßen;  wir besuchten die NASA in Cape Canaveral sowie DisneyDowntown in Orlando und schließlich sahen wir am letzten Tag viele Alligatoren, Krokodile, Pelikane und Delfine in den Everglades und im Golf von Mexico. Besser hätte das alte Jahr nicht enden und das neue nicht beginnen können. Am liebsten wären wir ewig dortgeblieben, aber die Reise muss ja weitergehen!

Merry Christmas

Frohe Weihnachten Euch allen! Ich hoffe, Ihr hattet ein genauso schönes und entspanntes Weihnachtsfest, wie ich hier in den USA. In der Weihnachtsnacht gab es ein üppiges Weihnachtsessen und danach veranstaltete die Kirche meiner Gastfamilie einen schönen Candle-Light Gottesdienst, natürlich „The American Way“. Die Bescherung folgte dann am eigentlichen Weihnachtsmorgen, also dem 25. Dezember, nach dem Weihnachtsfrühstück. Zuerst laß mein Gastvater die Weihnachtsgeschichte vor und jeder bekam seinen Weihnachtsstrumpf, im Englischen auch Stocking genannt, der mit Geschenken gefüllt war. Da ich die Jüngste in der Familie bin, durfte ich als erste ein Geschenk aus meinem Strumpf holen und es auspacken, danach waren Lizzie, Daniel, Brenda und schließlich Brian an der Reihe. Da herrschte noch Zucht und Ordnung beim Geschenkeauspacken, nicht so wie bei uns zuhause oder bei der Familie Hoppenstedt! Ich durfte mich über einen goldenen Anhänger im „The Wizard of Oz“-Style freuen. Natürlich mit Dorothy drauf und dem bekannten Spruch: „There is no Place like Home – Kansas“. Außerdem war noch ein Panoramafotografie Buch über Kansas, ein gerahmtes Bild meiner Gasteltern, Gutscheine und tonnenweise Süßigkeiten in meinem Strumpf versteckt.

Das wohl schönste Geschenk bekam ich übrigens von meinen Lieben aus der Heimat. Ich dachte, mich kann nichts mehr überraschen, aber bei Eurem Video musste ich dann wirklich ein paar Tränchen verdrücken. Das Video könnt Ihr gerne auf meinem Flickr Account ansehen! 🙂 Danke Vicy & Jenny!

 

Winter Break Roadtrip

Was braucht man für einen guten Roadtrip? Ich würde sagen ein paar Freunde, ein schönes Reiseziel und wenn vorhanden, ein funktionierendes Auto!

Also hab ich mir kurzerhand unsere Mexikaner Mauricio und Gustavo geschnappt und in meinem kleinen Beetle machten wir uns auf in ein neues Abenteuer, nämlich nach Texas und Louisiana.

Von Kansas City ging es nach Dallas, danach Austin und San Antonio. Anschließend fuhren wir an die Golfküste nach Corpus Christi , Galveston bei Houston und schließlich New Orleans. Insgesamt mehr als 2300 Meilen mit meinem kleinen alten Auto und es hat entgegen all unserer Erwartungen durchgehalten!

Wir haben wirklich einiges erlebt in diesen Tagen: Schneesturm, erste Polizeikontrolle (Gustavo hatte ein STOP Schild ignoriert), Starkregen, Hitze, eine Übernachtung im Auto (wir waren drei Leute, ich glaub wir sind verrückt!) und vor allem wenig Schlaf! Es war eine wirklich ereignisreiche und aufregende Woche mit den beiden!

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