Weltentdecker – Chancennutzer – Juniorbotschafter

Vielen Dank an Lisa Schoeps von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit für diesen schönen Beitrag, der alles auf den Punkt bringt. Das PPP hat mein Leben positiv verändert und in neue Bahnen gelenkt. Ich kann allen Interessierten nur empfehlen, ebenfalls die Chance zu suchen, sich zu bewerben und im besten Fall in den USA neue Talente an sich zu entdecken.

 

Für Marc Lamberger ging die Reise mit dem 31. PPP vor knapp zwei Jahren in den US-Bundesstaat Wyoming – eine Möglichkeit, für die der gelernte Redakteur sehr dankbar ist, wie er heute sagt. „An dieser Erfahrung bin ich vor allem als Person gewachsen, indem ich auf verschiedenen Ebenen neue Herangehensweisen kennengelernt und meine Komfortzone verlassen habe“, erzählt Marc. „Das Wort Horizonterweiterung trifft es genauso wie das Wort Selbstfindung.“ Dabei war er erstmal alles andere als begeistert, als er von der Platzierung erfuhr. „Ich saß in meinem Auto an einem Parkplatz, als die E-Mail von der GIZ und Cultural Vistas auf meinem Smartphone aufgeleuchtet ist“, erinnert sich Marc. „Das war Ende Juni 2014. Ich war zunächst etwas deprimiert, das muss ich zugeben. Geträumt habe ich von Washington D.C. oder Chicago, gelandet bin ich aber mitten im Nirgendwo der USA.“ Wie sich mit der Zeit jedoch herausstellte, war es letztendlich „genau die richtige Platzierung“.

Als part-time student am Northwest College in der Kleinstadt Powell lebte der 25-Jährige zunächst im Studentenwohnheim, später dann bei einer Gastfamilie. Neben dem Studium konnte er sich beruflich und im Ehrenamt einer ganzen Palette neuer Herausforderungen stellen – so war er zum Beispiel im Kindergarten, der Bibliothek und später für einige Zeit im Tourismuscenter am Tor des Yellowstone Nationalparks beschäftigt, für das er im Rahmen seines Praktikums ein Social-Media-Netzwerk aufgebaut hat. Außerdem war er ehrenamtlich für die Wochenzeitung Northwest Trail tätig, für die er Sportberichte verfasste. „Die hauptsächliche Arbeit war aber mein Ehrenamt als Torwart- und Assistenztrainer der College-Fußballer, wodurch ich jeden Nachmittag auf dem Fußballplatz war“, berichtet Marc. „Zudem habe ich mit einem Engländer die U14-Fußball-Mannschaft von Heart Mountain United trainiert.“

Marc beim Fußball mit der College-Mannschaft des Northwest College

Die Zeit in den Vereinigten Staaten hat ihn nachhaltig geprägt und auch großen Einfluss auf das Leben genommen, das er mittlerweile in Deutschland führt. „In den USA habe ich einen neuen Weg eingeschlagen und mich von einem anderen verabschiedet. Die Arbeit mit Kindern und im Leistungssport fordert mich auf eine ungemein positive Art. Durch die Erfahrung in den USA ist es mir gelungen, nun auch in Deutschland in diesem Bereich Fuß zu fassen und täglich dazuzulernen“, sagt Marc, der mittlerweile für den TSV 1860 München arbeitet. „Ich wusste nach der Zeit in den USA, was ich wirklich machen möchte und habe dadurch den Mut sowie das Vertrauen bekommen, diesen Weg mit Begeisterung fortzusetzen. Die aufwendige ehrenamtliche Arbeit in den USA war der Türöffner, um nun bei einem Profiverein als Jugendtrainer arbeiten zu dürfen. In diesem Bereich möchte ich mich etablieren und einfach weiterhin Freude an der Arbeit haben – wie in den USA. Ich hoffe auch, dass mich diese Aufgabe in ein paar Jahren nach Nordamerika zurückführt.“

PPPler Marc, Lukas und Matthias im Reisemonat auf Maui, Hawaii

Aber nicht nur in beruflicher Hinsicht hat Marc viel mitgenommen – die Kontakte und Freundschaften, die er über das Jahr hinweg schließen konnte, bezeichnet er als den „größten und unersetzbaren Schatz des PPP.“ Auch ein Jahr nach seiner Rückkehr steht er noch immer „mit vielen Freunden aus den USA regelmäßig in Kontakt“, manche waren sogar schon zu Besuch in Deutschland. Insgesamt wurde Gemeinschaft während seines Amerika-Aufenthalts immer groß geschrieben. „Im Tourismuscenter war es so, dass wir nach Feierabend zusammen gegrillt haben oder ich in die Weinbar meiner Gastfamilie bin, da dieser lockere Ausklang eines Arbeitstages irgendwie zum Lebensgefühl in den USA gehört“, erklärt Marc. „Auch am College kam es nie vor, dass man abends allein war. Nach dem Studium haben wir zusammen Sport gemacht, Karten gespielt oder Filme geschaut.“ Insgesamt habe der Freizeitgedanke in den USA „einen hohen Stellenwert“, was aber nicht heißen soll, dass die Arbeit nicht ernst genommen wird. „Die Arbeitsatmosphäre war aus meiner Sicht entspannter. Die Arbeit wurde gründlich gemacht, aber nicht ganz so verbissen wie in Deutschland. Die Leute sind weniger gestresst. Selbst wenn sie sagen, sie haben viel zu tun, wirken sie noch sehr entspannt. Zudem legen Amerikaner – wie wir Deutschen – viel Wert auf Pünktlichkeit. Man soll pünktlich anfangen, aber auch pünktlich aufhören“, so Marc.

Zukünftigen PPPlern rät Marc, „ohne Erwartungen in dieses Jahr“ zu gehen und stattdessen „Neugier und Offenheit“ mitzubringen. „Dadurch entwickelt man sich aus meiner Sicht am meisten weiter“, erklärt der Münchner. „Nehmt Rückschläge, die es bei den meisten geben wird, an. Daraus lernt ihr mehr, als wenn das Jahr durchgehend perfekt läuft.“

Ein Blick zurück – und nach vorne

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Cross Fit-Training für Fußball auf Sand: Mit den Bavaria Beach Bazis bei Trainer Andreas Fleischhacker (h.l.) in der Cross Fit Körperschmiede in München-Neuaubing.

Einmal bis fünf zählen. Oder bis 150. So viele Tage sind vergangen, seit der letzte Blog-Eintrag auf dieser Seite erscheinen sollte. Nachdem mir fleißige Leser dieses Blogs erzählt haben, dass sie weiterhin auf die Seite schauen, ist es höchste Zeit. Gerade jetzt, am letzten Tag eines so ereignisreichen Jahres. Rückblickend darf ich behaupten, dass 2014 und 2015 die bis dato spannendsten, erlebnisreichsten und prägendsten Jahre in meinem jungen Leben (darf man als mittlerweile 25-Jähriger noch sagen, oder?) waren. Zeit für einen Blick, was seit der Rückkehr im August passiert ist.

Es hatte einen Grund, dass ich keine Einträge mehr geschrieben habe. Die einjährige Erfahrung in den USA war vorbei, das komplette PPP mit Bewerbung, Tests und Vorbereitung umfasste sogar zwei Jahre. Es gab aus meiner Sicht nichts zu erzählen, das spannender gewesen wäre als die Erlebnisse in den Vereinigten Staaten – gerade nach der einzigartigen Reise im Juli. Wer länger im Ausland gelebt und sich dort wohlgefühlt hat, kann es nachvollziehen, dass man erst einmal in ein kleines (oder größeres) Loch fällt. Man hat irgendwie Lust auf gar nichts. Viele Freunde, die ebenfalls Teilnehmer des PPP waren, haben mir ähnliche Erfahrungen geschildert. Für die Lokalzeitung Rieser Nachrichten habe ich ein Porträt über den Berliner Basketballer Janek Schmidkunz geschrieben, der in meiner Heimat, dem Nördlinger Ries, Basketball spielt. Er war vier Jahre lang in den USA am College. Da habe ich mich gefragt, wie es ihm wohl ergangen sein muss. Seine Erfahrung nach der Rückkehr war jedenfalls ähnlich, vermutlich noch intensiver.

Das Einzige, was hilft: sich aus dem Tief herausarbeiten. Das kostet Kraft und Geduld.

In den USA hat es etwa drei Monate gedauert hat, bis ich wirklich angekommen bin, hier war der Prozess in etwa genauso lang. Die ersten zwei Wochen war ich Zuhause im heimischen Nördlinger Ries. Die erste Fahrt ging zum Friedhof, ans Grab meiner Großeltern Maria und Friedrich, die im Dezember 2014 und Mai 2015 verstorben sind. Sich an die Tage Anfang Dezember und Anfang Mai zu erinnern, ihr Haus zu betreten, fühlt sich noch immer seltsam an.

Mitte August, etwa zwei Wochen nach unserer Rückkehr, ging die Arbeit in München neu los, im September begann bereits das Fernstudium im Sportmanagement. Alltag. Der Kopf aber war irgendwo anders. Vielleicht in Wyoming, vielleicht auf Hawaii, vielleicht in San Diego, vielleicht in Washington D.C. Jedenfalls nicht in Bayern. Ein entscheidender Schritt, um ein Kapitel zu beenden und sich auf ein Neues einzulassen, war das sogenannte Nachbereitungsseminar in Berlin.

Also, macht’s gut!

Ende September, Berlin. Im Reichstagsgebäude treffe ich mich mit Kai Bergmann, einem Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek, der während des USA-Jahres mein Pate war. Dieter Janecek kann während dieser Zeit selbst nicht kommen, weil er wenige Tage zuvor Vater geworden ist und bei seiner Familie ist. Mit Kai Bergmann spreche ich über die Erfahrungen in Nordamerika, aber auch über aktuelle Projekte von Herrn Janeceks Team, was sehr interessant ist. Zwei Stunden später liege ich am Alexanderplatz in einem Stuhl, vor mir eine Tasse Kaffee (schwarz, ohne Zucker). Verabredet bin ich mit Lukas Hornberger, der mittlerweile in Stuttgart wohnt, und Robert Jürgens aus Gelsenkirchen. Im Laufe des Abends stoßen weitere PPP-ler hinzu, ehe sich alle 74 tags darauf in der Alten Feuerwache im Szene-Stadtteil Kreuzberg treffen. Nun ja, fast alle.

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Korbinian Scheitzach und Jonas Föge haben es richtig gemacht – beide sind schon wieder weg. Korbinian studiert seit August in Manchester, England, Jonas ist mit einem Studentenvisum zurück nach Alaska gezogen, wo er während des PPP platziert war. Beim Nachbereitungsseminar sind drei Gruppen so zusammengestellt wie im Frühjahr 2014 – kurz vor Ostern wurden wir auf die USA vorbereitet. Zusammen mit Ute Haggenmüller von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ging es darum, bestimmte Abläufe wie Seminare zu verbessern – und vor allem: Erlebnisse zu verarbeiten. An Verbesserungsvorschläge kann ich mich nicht mehr erinnern, an die stillen Minuten, starre Gesichter und auch Tränen mancher Teilnehmer hingegen schon. Klingt nach einer Trauerveranstaltung, das war es aber nicht. Vielmehr war es ein wichtiger Prozess, um nach vorne zu schauen, zumal wir beim Seminar viel gelacht und – wie es sich für einen Abschluss gehört – auch gefeiert haben. Zertifikate und Urkunden erhielten wir im Roten Rathaus, Ortsteil Mitte. Daraufhin fuhren alle zum Bahnhof, Flughafen oder mit dem Auto weg. Weg in einen neuen Abschnitt.

Wiesn und kein Ende

Jetzt liegt die USA erst einmal hinter uns. Sollte man zumindest meinen. Für Mathias Weber (23) und mich war es etwas anders. Am Wochenende, an dem das Nachbereitungsseminar stattfand, begann in München das Oktoberfest. Für Mathias war es fast schon unmöglich, an diesem Wochenende nach Berlin zu fahren. Daher stieg er auch in den Flieger, um so wenig Zeit wie nötig in der Hauptstadt verbringen zu müssen. Schließlich warteten daheim Volksfestmusik, Hendl und Erwachsenengetränke. Gut, der Junge ist ein richtiger Münchner im Gegensatz zu mir, wobei mir selbst die Nördlinger Mess‘ nicht so stark am Herzen liegt wie Mathias das Oktoberfest. Einstellen durften wir beide uns aber, in den nächsten zwei Wochen viel Besuch zu haben. Ergebnis: sieben Wiesn-Besuche mit diversen Gästen. Persönlicher Rekord.

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Hanah und Misael aus San Diego, Kalifornien, beim Oktoberfest im Festzelt Ochsenbraterei.

Während bei mir mehrere deutsche PPP-ler unterkamen, waren Mathias und seine Schwester Isabell Gastgeber für Charlie, unseren Gastgeber in Washington D.C., und seinen Neffen. Zudem besuchten uns Hanah, unsere Gastgeberin in San Diego, und ihr Freund Misael. Nachdem Mathias Ende September für sein Studium nach Regensburg zog, war ich der Tourismusführer für Hanah und Misael. Mit Zoe Breeding, der Tochter meines ehemaligen Professors Rob Breeding, war eine weitere Amerikanerin bereits im August zu Besuch. Sie ist aktuelle Teilnehmerin des PPP und lebt in Heidelberg. Über Neujahr hat sie Besuch von ihrer Schwester Abbe aus Montana, die bis zum Sommer ebenfalls am Northwest College in Wyoming war. Sie verbringen Silvester in Berlin. 

Neue Aufgaben bei den Löwen und Beach Bazis

Wertvoll war das Jahr in den USA vor allem für meine persönliche Entwicklung, aber auch für die sportliche. Als Sportler habe ich durch die Tätigkeit als Torwart- und Assistenztrainer am Northwest College und bei Heart Mountain United einen Schub bekommen, der so nicht zu erwarten war. Jetzt bin ich froh, den Weg in Deutschland weiterzugehen und stetig dazuzulernen. Seit August arbeite ich bei der Löwen Fußballschule des TSV 1860 (www.loewenfussballschule.de) als Trainer für Kinder zwischen acht und 14 Jahren. Bei Feriencamps der Löwen Fußballschule trainiere ich Feldspieler und Torhüter, im Talentfördertraining in der Halle nur Torhüter. Für diese anspruchsvolle und spannende Aufgabe in einem der besten Ausbildungsvereine Deutschlands bin ich Janosch Landsberger (29), dem Leiter der Löwen Fußballschule, sehr dankbar. Ein großer Dank gilt auch Nico Formella (28), der seit fünf Jahren beim TSV 1860 als Jugend-Torwarttrainer arbeitet und viel Erfahrung hat. Unter ihm darf ich am Nachwuchsleistungszentrum lernen, was großen Spaß macht.

Genau wie die Aufgabe bei den Bavaria Beach Bazis, der Münchner Mannschaft in der Beach-Soccer-Bundesliga. Bei den Bazis, die es seit November 2014 gibt, war ich Ende August im Probetraining und bin seit September an Bord. Beach Soccer sieht locker aus, ist aber wesentlich anstrengender und eine ganz andere Art von Fußball als auf dem Rasen oder in der Halle. Man muss den Ball hoch halten, weil er im Sand „verhungert“ oder wegspringt. Fallrückzieher im Strafraum sind im Gegensatz zum normalen Fußball geschützt und erwünscht, Torhüter sind als Vorbereiter und Vollstrecker gefragt. Gerade an diesem Punkt steht mir viel Arbeit bevor.

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Winter-Training im Alpaka Beach in Alling (nahe München).

Was mir besonders gefällt, ist die Chemie in der Mannschaft. Die Spieler wohnen alle im Münchner Westen und sind befreundet. Die Stimmung ist dadurch klasse, was aber auch am abwechslungsreichen Programm liegt. Cross Fit zur Kräftigung und Vorbeugung von Verletzungen, verschiedene Übungen im Sand, eine gute geregelte Aufgabenverteilung. Unser Spielertrainer, Nationalspieler Ricky Goller (25), hat das Projekt sehr strukturiert und professionell aufgezogen. Ob beziehungsweise wie oft ich selber spiele, ist offen, da ich mich auch bei den Bazis als Torwarttrainer für drei Keeper Raphael Mayer, Alexander Griner und Robert Andreae engagiere. Ein Ziel ist es zwar, auch den ein oder anderen Spieltag zwischen Mai und August zu bestreiten, im Vordergrund steht aber die Mannschaft und ein gutes Torwarttraining, das die drei Jungs weiterbringt und ihnen Spaß macht.

Nachdem ich in diesem Jahr eine amerikanische Trainerlizenz für Kinder erworben habe, will ich 2016 in Deutschland daran anknüpfen. Insgesamt stehen in diesem Jahr fünf Trainerlehrgänge an der Sportschule an. Mein Ziel ist es, in beiden Ländern Lizenzen nach und nach auszubauen und weiterzukommen – ohne feste Zeitvorgabe. Schritt für Schritt.

Gute Kombination mit dem Fernstudium

Die Aufgaben bei den Löwen und den Beach Bazis passen auch gut zu meinem Fernstudium im Sportmanagement an der Hochschule Wismar. Die Hochschule werde ich allerdings erst zu meiner mündlichen Prüfung sehen, da ich die Vorlesungen online verfolgen und die Prüfungen an der TU München ablegen kann. Meine Präsenzphasen hingegen sind in Hamburg. Das erste Semester endet bereits in zwei Monaten. Ich habe eine gute Wahl getroffen, nicht nur wegen der Kombination mit den sportlichen Aufgaben, sondern auch der Weiterbildung in wirtschaftlichen Bereichen. Nach der abgeschlossenen Ausbildung als Redakteur plus der Erfahrung in den USA ist dies eine ganz neue Aufgabe. Die Leidenschaft, mit Medien zu arbeiten, ist hingegen nach und nach abhanden gekommen, weshalb ich den Mut gefasst habe, den in Nordamerika eingeschlagenen Weg im Sport weiterzugehen. Es ist genau der richtige Zeitpunkt dafür. Das neue Ziel – hauptamtlich im Sportbereich zu arbeiten – ist fest im Blick.

Ziel: Spaß beibehalten

Wie es in den USA war, habe ich seit August gefühlt 500 Mal erzählt. Und etwa genauso oft kam die Frage, wie es denn weitergeht, was meine Ziele in nächster Zeit sind. Konkret gibt es eigentlich keine, und die kleinen Zwischenziele behalte ich für mich. Keiner weiß, was in einem Jahr ist.

In diesem Blog beschreibe ich es so, wie es auch jeder erzählt bekommt, den es interessiert: Ich schätze die verschiedenen Chancen und Aufgaben, die ich habe, und bin glücklich darüber. Diese Freude möchte ich beibehalten und nach Möglichkeit an andere Leute weitergeben. In die USA würde ich nach dem Studienabschluss gerne zurückkehren, um dort einige Jahre zu leben – oder vielleicht sogar ganz auszuwandern. Doch auch hier gibt es keinen Zeitplan, da ich mich in Deutschland ebenfalls wohl fühle. Es ist vielleicht ein amerikanisches Prinzip, das sich viele von uns PPP-lern zu eigen gemacht haben oder es zumindest versuchen: Don’t worry, be happy!

Für das Jahr 2016 wünsche ich Euch Gesundheit und viel Glück! 

Mehr als ein Urlaub

Unsere Reisestationen kennt Ihr bereits, nun folgen einige Randgeschichten und Erkenntnisse aus dem letzten Monat des 31. PPP. Der Reisemonat war mehr als ein Urlaub. Die Zeit hat die Freundschaft von sechs Abenteuerlustigen verstärkt. Bei Mathias Weber, Lukas Hornberger, Benedikt Schippmann, Simon Grossart und Felix Stuy will ich mich herzlich für eine großartige Reise bedanken. Es war ein bäriger Abschluss unserer USA-Stipendiums.

Denglisch: Um euch vorzuwarnen: Unsere Sprache ist momentan ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch. Nicht, weil wir das fresh, toll oder cool finden. Es passiert einfach, nachdem wir im vergangenen Jahr hauptsächlich auf Englisch gesprochen haben. Während unserer Reisen hieß Wechselgeld Change, ein Ladegerät war der Charger und der Autoschlüssel der Carkey, um ein paar Beispiele zu nennen. Erklärt uns bitte nicht für bescheuert, wenn wir noch ein paar Tage Denglisch sprechen. Nach ein paar Wochen sind wir kuriert.

Stadiontouren: Unsere nächsten Treffen sollen in München, Stuttgart, Darmstadt, Frankfurt, Köln, Mainz und Hamburg stattfinden – in Fußballstadien. Nachdem wir uns auf unserer einmonatigen Abschiedstour durch die USA super verstanden und täglich massig gelacht haben, soll der Kontakt nicht abbrechen, wenngleich wir uns in Kürze in ganz Deutschland verteilen. Bis auf Simon sind alle fußballbegeistert, schließt sich bei Stadiontouren aber gerne mit an. Wer aus der Region kommt, in der ein Spiel stattfindet, organisiert zudem das Abendprogramm.

Regionale Verbundenheit: Während ich meinen Kaffee- Konsum drastisch reduziert habe (drei Tassen pro Woche statt fünf am Tag), waren Benedikt und Lukas immer auf der Suche nach einem koffeinhaltigen Heißgetränk. Wenn beide gegen 8 Uhr verschwanden, wussten die anderen: Die suchen einen Starbucks. Beide sind Kunden des Jahres. Von großen Ketten wie Starbucks bin ich kein Fan, in den USA findet man jedoch noch mehr als in Deutschland. Lukas und Benedikt sehe ich das nach, beide haben ein Jahr lang nahe Seattle – der Starbucks-Heimat – gelebt. Sie wollen eben regionale Produkte unterstützen.

Verlorenes Zeitgefühl: Welcher Wochentag ist eigentlich heute? Diese Frage fiel im Juli oft. Nachdem wir nur gereist sind, hat uns der Wochentag kaum interessiert. Immerhin haben wir in vier Wochen haben wir fünfmal unsere Armbanduhren umgestellt. Auf Hawaii beträgt der Zeitunterschied zu Deutschland zwölf Stunden, an der Ostküste der USA sind es nur noch sechs.

Ketten-Huhn: Ein großer Kritikpunkt an den USA und dem Konsumverhalten von uns Menschen. Auf dem Weg nach Washington D.C. fuhren wir an unzähligen Fastfood-Restaurants vorbei, und aus deren Angebot kenne ich vor allem Produkte mit Hühnerfleisch. Chicken Wings, Chicken Tenders, Chicken Nuggets, Grilled Chicken Salad, Chicken Quesadilla und und und. Zartes Fleisch, das Fastfood-Ketten in Massen für wenige Dollar verkaufen. Ich habe mich im Nachhinein stark an die Dokumentation „We feed the world“ erinnert, die ich vor vielen Jahren am Theodor-Heuss-Gymnasium gesehen habe. Küken wurden in ein Band gepresst und automatisch zu einem Drehmesser gefahren, das in der Reihe nach den Kopf abgeschnitten hat. Wollen wir wissen, wie viele Hühner aufgezogen beziehungsweise wie viele täglich geschlachtet werden? Wie viele Nuggets, Tenders und Wings täglich im Müll landen? Allein an der Anzahl der Restaurants ist klar, dass es viele Millionen sind. Ich esse selbst gerne Fleisch, werde in Deutschland aber definitiv wieder frische und regionale Produkte einkaufen.

Hotwire: Das Überraschungspaket. In welchen Hotels wir übernachteten, haben wir dem Zufall überlassen. Über die Internetseite Hotwire haben wir kurzfrisitig gebucht, und Hotwire lost einem ein- bis zwei Sterne Hotels im gewünschten Ort zu. Der Vorteil: Es ist noch günstiger, als in Hostels zu buchen. Für eine Übernachtung sind zehn bis 20 Dollar pro Person fällig. Der Nachteil: Man weiß nie, in welchem Viertel man landet. In Austin beispielsweise war unser Hotel in einem Ghetto, in Flagstaff hatten wir ein Hotel in einer schönen Ecke der Stadt. Eine andere Option hieß Coachsurfing. Bei Mathias‘ Freunden in San Diego und Washington D.C. hatten wir Schlafplätze auf dem Sofa beziehungsweise auf Matratzen im Wohnzimmer. Unsere Gastgeber haben wir im Gegenzug zum Essen eingeladen. Das beeindruckendste daran war einmal mehr die amerikanische Gastfreundlichkeit. Unsere Gastgeber haben uns Schlüssel anvertraut und gesagt: Verliert den Schlüssel nicht und fühlt euch wie Zuhause. Ihr könnt Euch wohl vorstellen, weshalb wir sechs in den USA ein zweites Zuhause gefunden haben.

 

Endstation

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Grand Canyon. Fotos: Mathias Weber

Montagabend, wir sitzen in „The Big Board“, der Washington Post zufolge der beste Burgergrill der Stadt. Mit Charlie Bartsch (64), unserem Gastgeber, feiern wir den Abschluss unseres Roadtrips, der vor 17 Tagen in San Francisco begann.

Mit einem Hyundai und einem Chevrolet haben Mathias, Benedikt, Lukas, Felix, Simon und ich Tausende Meilen zurückgelegt. Beide Mietwagen haben wir heute, Dienstag, am Bahnhof in Washington D.C. abgegeben. Vollgetankt. Ohne Kratzer. Und dankbar, in vielen sehenswerten Orten gewesen zu sein. Die vergangenen Stationen im Überblick.

Grand Canyon: Ein Naturwunder. Im Grand Canyon bietet sich uns ein wunderschöner Blick (siehe Bild oben), der nur von einigen Lebewesen beeinträchtigt wird: Menschen. Wir fahren an einem Sonntag in den Nationalpark, und waren natürlich nicht alleine mit dieser Idee. Dennoch: ein lohnenswerter Ausflug.

Albuquerque (New Mexico): Eine Schlafstation zwischen dem Grand Canyon und Austin (Texas) beziehungsweise College Station (Texas). Von Albuquerque sehen wir leider nichts, weil wir uns mehr Zeit für andere Städte nehmen wollen. Lukas, Mathias, Benedikt und ich fahren rund acht Stunden nach Austin, Simon und Felix nach College Station, wo Bekannte von Simon leben.

Austin (Texas): Texas – das Bayern Amerikas. Sehr konservativ, Mia san mia, am besten vom Rest des Landes abgrenzen. So bezeichnen es zumindest manche Deutsche, meist Nicht-Bayern. Austin, so heißt es wiederum, sei nicht wie der Rest von Texas. Beurteilen kann ich das nicht, nachdem ich nur wenige Texaner kenne. Austin ist jedenfalls eine wunderschöne Stadt, in der wir uns urige Kneipen, Freibäder und Parks, die Universität und das Regierungsgebäude ansehen. Auf dem Weg nach New Orleans (Louisiana) halten wir in Houston, um uns ein Museum der NASA anzuschauen.

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New Orleans, French Quarter.

New Orleans (Louisiana): Und ab geht die Lucy! Die perfekte Stadt, um das letzte Wochenende in den USA zu verbringen. Wir tummeln uns im French Quarter, in dem es auch aussieht wie im Süden Frankreichs. Bunte Häuser, kleine Cafes, schmale Straßen und Gassen. In der Nacht hingegen gleicht die Bourbon Street der Hamburger Reeperbahn. Tanzclubs und Bars sind voll, ältere Männer im Anzug versuchen, junge Männer in Jeans und T-Shirt in Bordelle zu locken. Die Umgebung um New Orleans ist derweil sumpfig, es gibt geführte Bootstouren, bei denen man beispielsweise Alligatoren sehen kann. Alles in allem: Eine verrückte Stadt wie Las Vegas – dennoch anders. Es war jedendalls ein guter Platz, um das letzte Wochenende in den USA zu verbringen.

Greenville (South Carolina): Nach achteinhalb Stunden Fahrt stoppen wir am Sonntagabend in Greenville, die Fahrt nach Washington D.C. setzen wir am Montag fort. Gegen 8 Uhr abends erreichen wir unser Ziel – das Haus von Charlie Bartsch. Mathias lebte im Januar und Februar während seines Praktikums am US-Kongress bei Charlie. In D.C. treffen wir die anderen Stipendiaten des PPP an der Deutschen Botschaft und der Georgetown University wieder, ehe wir am Wochenende gemeinsam nach Frankfurt am Main fliegen. (Weitere Bilder und Einträge folgen)

Männer allein auf Tour

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An der Hoover-Talsperre zwischen den US-Bundesstaaten Nevada und Arizona (v.l.): Mathias Weber, Felix Stuy, Marc Lamberger, Simon Grossart, Benedikt Schippmann und Lukas Hornberger. Im April 2014 waren wir gemeinsam beim PPP-Vorbereitungsseminar in Würzburg, nun reisen wir zusammen durch die USA.

Anhalten, wo man will, sich treiben lassen. Ich könnte Euch bereits jetzt ellenlange Geschichten schreiben, welche Abenteuer wir auf unserer Reise durch die USA erlebt haben, aber die würde wohl keiner zu Ende lesen. Es gibt wichtigeres, als sechs jungen Männern auf ihrem Roadtrip in Amerika zu folgen. Ein Roadtrip von der West- zur Ostküste. Durch Großstädte, durch das Tal des Todes, durch den Grand Canyon. Spannender geht es jedenfalls kaum. Falls Ihr also doch Lust habt, etwas mehr zu erfahren: Hier kommt unsere Reise im Schnelldurchlauf.

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Mit dem Fahrrad fuhren wir über die Golden Gate Bridge nach Sausalito. Zurück ging’s mit der Fähre, vorbei an der Insel Alcatraz, auf der das Hochsicherheitsgefängnis steht.

San Francisco (Kalifornien): Entweder, es ist etwas falsch gelaufen, oder die Stadt ist einfach hässlich. San Francisco gefiel mir jedenfalls nicht, wobei viele Bekannte von der Stadt im Norden Kaliforniens schwärmen. Klar, die Golden Gate Bridge und einige Viertel mit bunten Häusern sind sehenswert. An der Market Street in der Innenstadt hingegen stinkt es nach Körperflüssigkeiten und Marihuana, auf der Straße sitzen viele Obdachlose.

Mit Firus Hanov aus Turkmenistan, der bis Mitte Mai am Northwest College in Wyoming studiert hat, treffe ich mich auf einen Kaffee in der Innenstadt. Er arbeitet mittlerweile bei einem Ingenieur-Büro in San Francisco. Eine Wohnung in der Innenstadt hätte 670 Dollar pro Monat gekostet. Firus lebt etwas außerhalb der Stadt, wo er 800 Dollar bezahlt. Er sagt, außerhalb sei es sicherer, die Mehrkosten sind es wert. Nichtsdestotrotz: San Francisco ist für ihn die schönste Stadt der Welt.

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Firus Hanov, einen Freund vom Northwest College in Wyoming, habe ich an seinem neuen Wohnort San Francisco (Kalifornien) wiedergetroffen.

Auf der Golden Gate Bridge fahren Lukas, Mathias und ich mit Leih-Rädern, von Sausalito fuhren wir mit der Fähre zurück in die Innenstadt, wo unser Motel lag. Vorbei an Alcatraz, der Gefängnis-Insel. In San Francisco beginnt zudem unser Roadtrip. Seit dem 10. Juli sind wir mit einem Hyundai unterwegs, den wir in San Francisco gemietet haben und am 28. Juli in Washington D.C. abgeben werden.

San Luis Obispo (Kalifornien): Unser nächster Stop liegt in San Luis Obispo, einer College-Stadt zwischen San Francisco und Los Angeles. College-Stadt steht vor allem für eines: Feiern. Das machen wir an diesem Abend auch in einer Bar, ehe wir um 2 Uhr zurück zum Hotel gehen.

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Lukas und ich kamen eigentlich immer gut aus…

Santa Barbara, Thousand Oaks & Santa Monica (Kalifornien): Wir fahren weiter gen Süden, der Pacific Highway 1 entlang. Kurze Stops sind in Santa Barbara, Thousand Oaks (Übernachtung) und Santa Monica. Wir genießen den Blick nahe der Palisades Charter High School über die Küste – ein Tipp eines Freundes aus Santa Monica.

San Diego (Kalifornien): Fast in Mexiko – am 13. Juni erreichen wir San Diego, eine wunderschöne Stadt im Süden Kaliforniens. Wir sind bei Mathias‘ Freunden, der Familie Ratican, eingeladen, bei denen wir drei Tage bleiben. Auf dem Plan stehen: Mission und Pacific Beach, Coronado, Point Loma, eine Wanderung auf den Cowles Mountain und Taco Tuesday. Jeden Dienstag gibt es günstige Tacos in San Diego – die Grundlage für anschließende Bar-Besuche in Pacific Beach und der Innenstadt. Als Fahrer komme ich meistens ohne Ausgaben weg, weil man als Fahrer in vielen amerikanischen Bars für Wasser (generell kostenfrei) und Soda nichts zahlen muss. San Diego hat mir jedenfalls so gut gefallen, dass ich definitiv wiederkommen will.

Death Valley (Kalifornien): Im Tal des Todes spielen wir Beach Ball an Dante’s View, eine aberwitzige Aktion. Aber es hat Spaß gemacht – und müde. Um 10 Uhr schlafen wir im Opera House, einem 100 Jahre alten Hotel. Es heißt Kraft tanken für den nächsten Halt in Nevada.

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Diskothek Hakkasan, Las Vegas.

Las Vegas: Die Stadt der Sünde(n). Und die jungen Botschafter des Bundestags mittendrin. Mit Anneke Günther, Julia Hufnagl, Christin Probst, Benedikt Schippmann, Sebastian Mack, Tobias Weinfurtner, Steffen Gehringer, Johannes Martens, Sebastian Mack, Korbinian Scheitzach, Felix Stuy, Simon Grossart sowie Lukas, Mathias und mir sind 15 PPP-ler zur gleichen Zeit in Vegas. Die wohl abgefahrenste Stadt, die ich je gesehen habe. Völlig irre. Überdimensional. Manche Hotels sind gefühlt größer als ganz Powell, wo ich gelebt habe.

Lukas, Mathias, Benedikt und ich nächtigen auf einem Zimmer im 14. Stockwerk des Caesars Palace, bekannt aus der Komödie Hangover. Keine Sorge: Wir sind unversehrt, noch nicht völlig pleite (wir werden es vermutlich nach Washington D.C. schaffen), Mike Tyson hat seinen Tiger noch, und niemand unter uns hat spontan geheiratet. Wir haben uns gut benommen und Vegas nach zwei Nächten ohne Eskapaden verlassen.

Felix (25, Frankfurt / platziert in Chicago, Illinois), Simon (22, Siegburg nahe Bonn / Sioux City, Iowa), Benedikt (22, Grevenkop nahe Hamburg / Mount Vernon, Washington), Lukas, Mathias und ich sind seitdem zusammen auf Tour. Unsere Fahrt durch den Grand Canyon haben wir wegen starken Regens um einen Tag verschoben. Unser Nachtlager ist das Super 8 Hotel in Flagstaff, Arizona (35 Dollar pro Nase, Durchschnitt während des Roadtrips). Am Montag wollen wir Texas erreichen. Simon und Felix reisen dann zu Bekannten nach College Station, wir nach San Antonio. Wir treffen uns am 24. Juli in New Orleans, Louisiana, wieder.

(Weitere Bilder unserer Reise folgen Anfang August)

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