Dies ist kein Abschied…

Jul - 05 2015 | By

Die Türe schließt sich, man hört einen Chor von leisen ‚klack‘ Geräuschen. Der Sitz fühlt sich bequem an. Vor mir sehe ich viele Hinterköpfe. Zwei ohne Haupthaar, zwei blonde, eine Mischungen aus blond und braun. Einige schwarze Haare und noch ein paar dunkelbraune, oder dunkelblond, wie man’s nimmt. Jetzt hört man noch vereinzelt ein metallisch klingendes *klick*. Es gibt halt doch immer wieder Nachzügler.
Über die Lautsprecher ertönt eine verzerrte Stimme. Wir sind aufgefordert ihr anhand einer Broschüre zu folgen. Die meisten machen es nicht, in der Hoffnung, dass alles gut wird. Ich folge mit der Broschüre. Ich muss grinsen, als mir Cullens „Better be save as to be sorry“ in den Sinn kommt. Wo er recht hat, hat er recht.
Es ertönt ein piepen, die Gebläse über uns beginnen volle Pulle kalte Luft ins Flugzeug zu blasen. Da steuert wohl ein Schneemann die Klimaanlage 😉 Das ist der Moment in dem ich wirklich froh bin, meine College Jacke über dem T-Shirt zu tragen. Drei Plätze neben mir sitzt eine Lady mit kurzer Hose und T-Shirt, die muss aus Sibirien kommen. Oder Alaska. Das ist jedenfalls nix für einen Jungen der das letzte Jahr mit Sonne ohne Ende und super heißen Temperaturen jenseits der 38-40 Grad Celsius verwöhnt wurde. Haha, das kann kommenden Winter echt was werden, wenn ich mich dann durch das eiskalte Stuttgart auf den Weg zu meiner neuen Schule machen darf. Brrr, da fröstelts mich jetzt schon. 😀
Ein Ruck geht durch das Flugzeug und beginnt rückwärts zu rollen. Nicht viel, nur ein paar Meter. Dann bleibt es stehen und lässt den Motor aufheulen. Wie Autos, die sich zum bevorstehenden Rennen bereit machen. Oder wie jemand der mit seinem Auto etwas angeben möchte.
Wieder verschaft sich eine Stimme durch die Lautsprecheranlage Gehör. Es ist der Pilot. Nach der Vorstellung und der nochmaligen Wiederholung des Reiseziels sagt er nicht etwas wie, „Lehnen sie sich zurück und genießen Sie den Flug, wir starten“ sondern, „Uns tut es aufrichtig leid aber wir können nicht starten aufgrund technischer Probleme“. Aha, genau DAS was man als Passagier hören möchte. Und weiter, „Die Reparatur wird voraussichtlich eine Stunde dauern“, sowas ist natürlich super wenn man seine Mitreisenden treffen möchte.
Nach einer Weile hieß es dann, dass die Reparatur länger dauert und alle das Flugzeug verlassen dürfen, das Gepäck könnten wir im Flieger lassen. Alrigth, also alle raus und vor dem Gate gewartet. Es dauerte nicht lange bis die Nachricht kam, dass das Flugzeug in seiner aktuellen Verfassung flugunfähig ist und es ausgetauscht werden muss. Jeder soll doch bitte sein Gepäck abholen und sich in der Nähe des Gates aufhalten.
Also alle rein, Gepäck raus, Flugzeug weg. Kurze Zeit später kam dann auch wirklich ein neues, flugfähiges, Flugzeug.
Das Boarding fand dann auch irgendwann statt und mit jeder Menge Verspätung hob der Pilot die Maschine in die Höhe. Das war ganz schön ruckelig, ging immer wieder hoch und runter. War bisschen wie in einer Kinderachterbahn 😀
Jetzt bin ich hier im Flugzeug, schaue aus dem Fenster und sehe die Landschaft unter mir verschwinden. Denver haben wir vor 20 Minuten verlassen, Minneapolis werden wir wohl in 70 Minuten erreichen. Dort werde ich auf zwei weitere Programmteilnehmer treffen und mich mit ihnen auf die Reise machen. Ich freu mich 🙂

Liebe Leserinnen und Leser,
die Welt ist schon verrückt. Jetzt schreibe ich doch tatsächlich meinen Blog im Flugzeug. In so einem kleinen 50 Personen Flieger welcher sehr unruhig vor sich hin fliegt.
La Junta – meine Heimat des vergangenen Jahres – habe ich hinter mir gelassen. Auch von meiner amerikanischen Familie musste ich mich verabschieden… Heute könnt ihr ein letztes Mal ein ‚Update zur aktuellen Lage‘ lesen. Die (hoffentlich) zukünftigen Beiträge werden in einem etwas anderen Format geschrieben. Wie es wird werdet ihr ja dann sehen.
So, jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß beim lesen! 🙂

Update zur aktuellen Lage:

Work: Meine letzten Arbeitstage waren davon geprägt letzte Projekte erfolgreich zu beenden. Dies gelang mir auch ohne große Probleme, sodass ein sauberer Übergang zu meinem/meiner Nachfolger/in als Praktikant des SBDC’s möglich ist. Das war mir wichtig, denn ich würde es auch nicht gut finden, wenn ich irgendwo neu anfangen würde und mich mit den unbeendeten Altlasten des Vorgängers rumschlagen müsste. Das ist immer besser wenn man seine Sachen ordentlich zu Ende führt, da man selbst in der Thematik drin ist und sich nicht erst zeitintensiv einarbeiten muss.
An meinem letzten Arbeitstag gab es ein großes Abschiedsessen mit den ganzen Leuten vom SCORE Center und noch einigen Angestellten vom College, unter anderem kamen meine Collegecoordinatorin und der Präsident. Das war schon genial 🙂
Und mit dem gemeinsamen lunch ging auch mein letzter Arbeitstag zu Ende. Es war eine hochinteressante Erfahrung, die ich in den beiden Einrichtungen, für die ich arbeitete, erleben durfte. Ich konnte viel Wissen und Erfahrung einbringen, aber auch sehr viel Neues lernen. Es waren viele verschiedene spannende Projekte – die Tätigkeitenvielfalt war überwältigend. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich dort mein Geld verdienen durfte.

Wetter: Die letzten Wochen hatten wir in La Junta immer 35+ Grade. Das war richtig klasse 🙂 In Fort Collins war es auch nicht schlecht, da hatte es allerdings „nur“ 30 Grad Celsius, war ganz okay.

Auto: Das Auto befindet sich nun seit letztem Mittwoch auch offiziell im Besitz meiner Hostmom. Ich bin froh, dass der ganze Prozess gut verlaufen ist.

Der Grund für meine Überschrift

Letzte Tage in La Junta

Die letzten Tage in La Junta fanden im immer näher kommenden Schatten des Abschieds statt. (Ich weiß das kommt jetzt überraschend 😉 )
Es war schon komisch nach einem Jahr den Koffer zu packen. Es ging sogar einigermaßen alles gut hinein. 🙂
Die bilderbefreiten Wände sehen nackt aus. So leer. Auch das Regal auf dem ich sonst alles mögliche zu Türmen gestapelt habe ist wie leergefegt. Mein Koffer, den ich sonst als Kleiderablage genutzt habe, liegt nun offen und mit Kleidern gefüllt auf dem Boden. Alles im Zeichen des Abschieds. Sogar die Hunde lungern deprimiert auf dem Bett rum und schauen ganz enttäuscht drein. Sofern das Hunde können 😀

Ein letztes Mal einkaufen, ein letztes Mal zur Arbeit um sich von allen zu verabschieden, ein letztes Mal zum College um sich dort zu verabschieden, ein letztes Mal dabei sein ein Auto zu reparieren, ein letztes Mal… Alles zum letzten Mal. Wobei ‚letztes Mal‘ nicht ganz richtig ist. Man muss noch ein Wort daVOR setzen. Richtig wäre ‚Zum VORletzten Mal‘. Denn eins steht fest, dies wird kein Abschied, es wird ein ‚Auf Wiedersehen‘. Mit ist die kleine Wüsten-/Präriestadt über das Jahr ans Herz gewachsen. Es war unbekannt, herausfordernd, spannend, anspornend, nicht immer einfach aber letztendlich jede Mühe wert.
Für immer dort zu leben ist für mich keine Option, aber auf jeden Fall eine Überlegung für zukünftige Ferienplanungen. Viel Neues zu sehen gibt es für mich hier nicht mehr. Aber es sind nicht irgendwelche Stücke Beton, oder spektakuläre Naturbilder, nein, es sind die Menschen die diese City zu einem für mich wunderbaren Ort machen.
Ich verließ La Junta am 02.07.2015. Es war abends, als meine zweite Heimat im Rückspiegel verschwand. Damit schließt sich für mich persönlich der Kreis. Ich kam in der Nacht an und ich verließ La Junta in der Nacht. Das hatte irgendwie was.

Ich führe nun eine neue Kategorie ein, sie ist den das zukünftigen Tagen geschuldet.

Der Roundtrip

Der Plan
Zusammen mit 2-3 anderen PPP’lern (die Gruppe ändert sich im Laufe der Tour)!ist es das Ziel folgende Tour abzufahren:
Minneapolis, Michigan – Rapid City, South Dacota
Rapid City, South Dacota – Clark Wyoming
Clark, Wyoming – Big Sky, Montana / Yellowstone Nationalpark
Big Sky, Montana / Yellowstone Nationalpark – Spokane, Washington
Spokane, Washington – Seattle, Washington
Seattle, Washington – Bend, Oregon
Bend, Oregon – San Fransisco, California
San Fransisco, California – Yosemite Valley, California
Yosemite Valley, California – Los Angeles, California
Los Angeles, California – Las Vegas, Nevada
Las Vegas, Nevada – Grand Canyon, Arizona
Grand Canyon, Arizona – Irgendwo auf dem Weg nach Green Bay, Wisconsin
Irgendwo auf dem Weg nach Green Bay Wisconsin – Green Bay, Wisconsin
Green Bay, Wisconsin – Washington, D.C.
Washington, D.C. – Frankfurt, Germany
Das sind jetzt mal die Hauptpunkte die wir abfahren werden. Unterwegs werden wir noch an der einen oder anderen Sehenswürdigkeit halten und natürlich in den größeren Städten einige Tage bleiben um dort spannende Sachen zu erleben. Wenn alles klappt fahren wir den Norden und fast die ganze Westküste (außer San Diego) ab und am Ende vom Grand Canyon nach Green Bay quer durch Amerika. Die reine Fahrzeit beträgt stolze 27 Stunden. Ohne Pausen! Nur fahren. Unser Ziel ist es das in zwei Tagen zu fahren – no Risk no Fun 😉

Tag 1
02.07.2015 / La Junta, Colorado -> Fort Collins, Colorado
Am 02.07.2015 startete mein Roundtrip durch die vereinigten Staaten von Amerika. Zusammen mit meiner American Family ging es nach Fort Collins, dort besuchten wir meine zweite Gastschwester die dort zusammen mit ihrem Partner (und zukünftiger Ehemann) und dem gemeinsamen Baby lebt. Wir fuhren mit einer dreistündigen Verspätung los und kamen dort erst um Mitternacht an. Fort Collins liegt ganz im Norden von Colorado, eine halbe Stunde südlich von dem Staat Wyoming und fast vier Stunden nördlich von La Junta. Da die Stadt auch viel höher liegt als La Junta ist das Klima hier viel milder und alles ist grün. Das sieht schon schmuck aus.
Viel gemacht haben wir an dem Tag nicht mehr. Wir waren alle todmüde als wir um halb drei morgens in die Betten vielen.

Tag 2
03.07.2015 / Fort Collins, Colorado
Nachdem gestern/heute Morgen alle ziemlich spät ins Bett konnten, schliefen wir dafür umso länger aus. Das sind die Tage an denen das Frühstück es nicht mal mehr zum Brunch schafft und gleich Mittagessen wird. Ist eigentlich gar nicht so schlecht, da spart man sich schon eine Mahlzeit 😉
Nach dem Frühstück, also Mittagessen, fuhren wir nach Cheyenne, Wyoming. Cheyenne ist die Hauptstadt von Wyoming. Wie Stuttgart die Hauptstadt von Baden-Württemberg ist. Cheyenne ist ziemlich klein. Was einem erst richtig zeigt wie spärlich besiedelt der große Staat ist. Ich meine mich erinnern zu können, dass mir ein mit PPP’ler gesagt hat, dass auf einer Fläche von +\- zweidrittel der Fläche von Deutschland nur 600.000 Menschen leben. So viele Menschen leben allein in Stuttgart.
Wir wollten dort das State Museum besuchen, ein Museum in dem Dinosaurierknochen und jede Menge Dinge von der Zeit der Siedler gibt. Leider war das Gebäude wegen dem kommenden Feiertag geschlossen. Das ist halt Amerika, wenn der Feiertag auf ein Wochenende fällt nimmt man sich halt am Tag davor bzw. danach frei 😀
Als nächstes stoppten wir am Regierungsgebäude. Dem weißen Haus von Wyoming; sah schon ganz gut aus. Alles war wegen dem morgigen Nationalfeiertag geschmückt.
Wir liefen noch etwas durch die dekorierte Gegend und stoppten anschließend in einem Flohmarkt der auch ein Antiquitätenhandel hatte. Ist euch eigentlich mal aufgefallen dass in ‚Antiquitäten‘ das Wort ‚Anti‘ steckt? Dasselbe mit ‚Antik‘. Gegen was die wohl sind…? 😀
Nachdem ordentlich Geld in dem Markt gelassen wurde, ging es zum nächsten Laden. Und der war super genial! Es war ein Feuerwerkladen!! 😀 Da gab es alles was das Feuerwerksliebhaberherz begehrt. Das war richtig cool. In Colorado kann man es nicht kaufen, also gehen alle nach Wyoming um sich dort mit allen möglichen Böllern, Raketen, Wunderkerzen und sonstigen Dingern einzudecken die man an Silvester oder hier morgen, am Independence Day (Unabhängigkeitstag) abfeuern kann.
Auf das Feuerwerk morgen bin ich schon sehr gespannt.
Als wir ordentlich eingedeckt waren ging es zurück nach Fort Collins.

So, das war es bis jetzt 🙂
Ihr dürft auf den nächsten Eintrag gespannt sein, denn dann bin ich schon richtig unterwegs gewesen und habe bestimmt viel zu schreiben.
Bleibt am Ball! 😉 🙂

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