Kimme und Korn

Jun - 23 2015 | By

Hallo ihr fleißigen Blogleser,

kaum zu glauben aber wahr: Heute schreibe ich mein LETZTEN Blogeintrag hier in Good Old La Junta! Ist schon verrückt. Anfangs war ich mir unsicher, ob ich es mit dem schreiben überhaupt bis Weihnachten schaffe; ich glaube, ich habe mich in dieser Disziplin ganz gut geschlagen 🙂
Ich habe erwartet, dass in den zurückliegenden Wochen nicht so viel passiert, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht… Neben einem Update zur aktuellen Lage gibt es noch eine Meinung zur vegetarischen Küche, etwas zu einer Hochzeit auf der ich eingeladen war und natürlich ein paar Zeilen zum Grund für meine Überschrift.

Update zur aktuellen Lage

Arbeit: Wir arbeiteten sei einigen Wochen an einer El Pomar Bewerbung für Fort Lyon. El Pomar ist ein Zusammenschluss von vielen Superreichen Menschen (ihnen gehört unter anderem das einzigste 5 Sterne Hotel in Colorado) welche die El Pomar (~ der Obstgarten) Stiftung gegründet haben, um der Gesellschaft zu helfen. Die Organisation hat unfassbar gute Kontakte in Politik und Wirtschaft. Es ist oft so, dass wenn El Pomar eine Organisation unterstützt, sich weitere Wohltätigkeitsverbände/Firmen der Entscheidung anschließen und der entsprechenden Organisation Geld zukommen lassen. Es ist also ziemlich genial von El Pomar ausgezeichnet zu werden. Es kann bei vielen Einrichtungen überlebenswichtig sein. Dem Gremium gehören Repräsentanten aus allen Gebieten von Colorado an, um ein möglichst ausgeglichnes Bild vom Staat zu bekommen. Diese Repräsentanten werden von den Mitgliedern vorgeschlagen. Auch mein Chefin ist dort durch glückliche Umstände reingekommen.
So viel zu El Pomar. Jeder kann eine Einrichtung oder Institution für den El Pomar Preis für „Excellence“ nominieren. Wir nominierten Fort Lyon. Fort Lyon ist ein alter Campus der ursprünglich für die Armee gebaut wurde, nach kurzer Zeit in ein Gefängnis umgewandelt wurde, welchen man später als Krankenhaus umfunktionierte und danach für einige Jahre brach lag. Das war ziemlich schade, den dieser Campus ist echt der Wahnsinn! Tennisfelder, Pools, Spielplätze, ein Baseball Feld mit einer kleinen Tribüne, sehr viele einzelne Wohnhäuser, ein Gewächshaus, mehrere Werkstätten, drei riesige Gebäude mit vielen Zimmern und noch ein großes Administrationshaus. Das alles auf unglaublich viel Platz, ist richtig cool.
Seit eineinhalb Jahren befindet sich auf den Campus ein Obdachlosenheim. Wobei Obdachlosenheim zu einfach wäre, es ist auch eine Rehabilitationsklinik. Fort Lyon ist einzigartig in ganz Amerika. Es ist die einzigste Organisation welche die Leute auf der Straße aufsammelt, sie bei dem Entzugsprozess begleitet (die meisten nahmen Drogen und Alkohol), sie auf ein College bringt und dort dafür sorgt, dass die Menschen ein College Abschluss erhalten. Anders als in vielen Entzugskliniken wo die Menschen nur für 90 Tage bleiben dürfen, dauert der Prozess 2 Jahre. Aber danach sind die Leute wirklich auf das Leben vorbereitet. Alle Bewohner von Fort Lyon haben im Durchschnitt 7 (sieben !!!) andere Entzugskliniken besucht die alle nichts halfen. Sieben!! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wenn man davon ausgeht, dass die Leute die vollen 3 Monate mitgemacht haben und direkt von der einen Klinik in die nächste gewechselt sind, verbrachten sie 21 Monate, fast zwei Jahre, in diesen Entzugskliniken, welche ihnen überhaupt nichts brachten. Und normal wechselt man nicht direkt von einer Klinik in die nächste…
Das Problem an den dreimonatigen Programmen ist, dass du danach einfach dich immer noch im Ausnüchterungsprozess befindest und Entzugserscheinungen hast. Negativ kommt noch hinzu, dass die meisten kein Platz zum unterkommen haben und nach der Klinik wieder auf der Straße landen. Nach dem Motto „Nach der Straße ist vor der Straße“. Was viele nicht verstehen (wollen?) ist, dass man nicht von jetzt auf nachher Alkoholiker wird. Das schleicht sich langsam ein, über einen gewissen Zeitraum. Genauso wirst du nicht von jetzt auf nachher trocken, auch das braucht Zeit. Und die ist in drei Monaten nicht gegeben. Und auch wenn du die Klinik wieder verlässt, du keinen Platz zum Leben hast, dann bist du wieder auf der Straße. Ohne Job. Auf deiner alten Straße, bei deinen alten Freunden, bei deinem alten Händler…. und ganz schnell wieder bei deinen alten Gewohnheiten.
Genau da setzt Fort Lyon an. Die Leute haben zwei Jahre Zeit in denen sie mit Gleichgesinnten gemeinsam gegen die Sucht kämpfen. Sie bekommen Hilfe und müssen nicht alleine damit fertig werden. Sie leben in Fort Lyon ziemlich frei. Nur ein tägliches Treffen bei welchem Anwesenheitspflicht herrscht ist vorgeschrieben, den restlichen Tag können Sie gestalten wie sie möchten. Das fördert das selbständige denken. Viele Gründen neue Firmen wie ein Fahrrad Laden, ein Handwerks Gewerbe, ein Barbier Shop und viele weitere.
Die Leute leben anfangs in den Dorms (Studentenwohnheime) und später ziehen sie in kleinen Gruppen in eines der vielen Wohnhäuser. Diese werden von den Bewohnern instand gesetzt. Auch das ist nochmal förderlich für die Selbständigkeit, so komisch sich das anhört, aber auch das muss man lernen. Wenn die Leute möchten, haben sie die Möglichkeit ein College Abschluss zu erlangen. Die nicht traditionellen Schüler (offizielle Bezeichnung für Schüler die nicht nach der High School aufs College gegangen sind) werden im ersten Semester am Campus unterrichtet, ab dem zweiten Semester werden sie zum College von einem Shuttle gefahren. Dort besuchen sie wie die anderen Schüler ganz normal die Klassen.
Fort Lyon hilft den Leuten auch hier Lokal einen Job zu finden. Das ist manchmal schwierig, da es doch einige Vorurteile gibt. Aber dann ist es auch wieder einfach, da viele früher als qualifizierte Fachkräfte oder sogar als Geschäftseigner gearbeitet haben.
Einzigartig bei Fort Lyon ist, dass sie ein Programm um die Person herum aufbauen und die Person nicht in ein vorgegebenes System passen muss. Das unterscheidet Fort Lyon von den vielen gewöhnlichen Entzugskliniken.
Fort Lyon liegt außerhalb von Las Animas, eine halbe Stunde östlich von La Junta. Also mitten im nichts, das einzigste was von Fort Lyon zu Fuß erreichbar ist, ist ein Friedhof. Denke, dass dieser Umstand den einen oder anderen auch zum nachdenken gebracht hat. Doch gerade diese Abgeschiedenheit hilft den Bewohnern von Fort Lyon enorm. Hier haben sie keinen Kontakt zu alten Freunden, kein Zugang zu ihren alten Händlern, sie kenne die Plätze nicht, wo man Alkohol kaufen kann.
Wenn man auf den Campus fährt, erinnert es einen an ein richtiges College. Man sieht die fleißigen joggen, die gemütlicheren gemeinsam rumsitzen und reden. Das ist schon ziemlich cool!
Wichtig zu wissen ist noch, dass Fort Lyon von der aktuellen Regierung finanziert wird. Doch da Regierungen sich ändern, ist es für Non-Profits (Einrichtung die nicht auf Gewinn aus sind) wichtig, weitere Geldquellen zu generieren.
Das waren jetzt mal ein paar Punkte die Fort Lyon ziemlich gut beschreiben. Und genau dieses Fort Lyon nominierten wir für den El Pomar Preis, welcher mit $25.000 beziffert ist. In die Bewerbung packten wir noch jede Menge harte Fakten und weitere positive Aspekte über Fort Lyon. Und wir kamen tatsächlich in die Finalrunde. Es gab dort zwei Gruppen, die nach regionaler Zugehörigkeit sortiert wurden. In Gruppe 1 war die Colorado Springs Gegend mit 6 Kandidaten. In Gruppe 2 war der Rest von Colorado mit 28 Kandidaten. Von jeder Gruppe gibt es zwei Gewinner, die alle $25.000 bekommen. Doch die ideelle Bedeutung dieser Auszeichnung ist, wie weiter oben erwähnt, sehr viel wertvoller. Ich laß mir die ganzen Bewerbungen durch und machte für jede Gruppe ein Ranking, wie ich die Kandidaten bewerten würde.
Als wir das gemacht hatten ging es nochmal nach Fort Lyon, um uns dort den Feinschliff abzuholen. Das war ziemlich gut, wir wollten auch eine Story die Tränen ins Auge zaubert und die bekamen wir. Doch ich schreibe sie hier nicht rein, ich will nicht, dass ihr meine Worte nicht mehr durch den Tränenschleier sehen könnt. 😉
Letzte Woche Dienstag fuhren wir zur El Pomar Residenz nach Colorado Springs. Dort haben sie ein früheres Nonnenkloster gekauft und wie ein Schloss eingerichtet. Sieht aus wie in einem Museum, nur dass man darin wohnt. Ist schon beeindruckend.
Es wurde zuerst über die erste Gruppe gesprochen. Wer wollte, konnte seine Stimme für eine Organisation erheben. Letztendlich gewann nach einer kurzen Diskussion die Favoriten, welche ich davor ausgemacht habe. In Gruppe 2 war es spannender, einfach auch, weil es mehrere gute Kandidaten gab. Zuerst wurden die Top 10 Kandidaten gewählt. Dort lag Fort Lyon nur auf Platz 4 und damit außerhalb der Gewinner Sektion. Daraufhin hat meine Chefin eine Lanze für Fort Lyon gebrochen und bestimmt 20 Minuten (normal sind 4-6 Minuten Redezeit) über das Heim für die Obdachlose geredet. Das fanden die Leute wohl sehr beeindruckend, denn in der folgenden Runde schaffte es Fort Lyon in die Top 5 auf den zweiten Platz. Was mich überraschte war, dass manche Institutionen die klar schlechter waren, konstant ihre Stimmen erhielten. Da haben manche exzellente Lobbyarbeit betrieben.
In der Wahl um die beiden Gewinner kam Fort Lyon auf den 2. Platz! Der 1. Platz hatte nur eine Stimme mehr, das war okay.
Somit hat Fort Lyon nicht nur die $25.000 gewonnen, sondern auch die prestigeträchtige Urkunde. Und das war das was wir wollten.
Klar, die $25.000 sind auch ein netter Nebeneffekt. Für $25.000 kann man….
… 22.036,15€ kaufen
… 7.142,86 Döner kaufen
… 125.000 Kaugummis am 20ct Automaten rauslassen
… 25.000 Dinge im Dollar Store kaufen
… 9.259,25 Gallons (34.999,97 Liter) Sprit in Amerika kaufen
… ein Haus in La Junta kaufen
… Irgendein Auto kaufen

Auto: Ja, es gibt wieder was Neues mit meinem/bald-nicht-mehr-meinem Auto. Am Samstag fuhren wir nachmittags an einen See um dort die Beine und Seele baumeln zu lassen. Auf der Rückfahrt merken wir, dass wir ziemlich ohne Sprit unterwegs waren. An einer Kreuzung am Highway ging dann das Auto aus. War wieder gut und schlecht. Gut, da eine Tankstelle auf der anderen Seite der Kreuzung war, schlecht, da es eine sehr stark befahrene Kreuzung war. Wir warteten eine ganze Weile, bis wir das Auto über die Straße schieben konnten. Auf der anderen Straßenseite waren wir leicht geschockt, denn die Tankstelle war geschlossen. Das ist halt doch ein Ärgernis, wenn man nachts in einem 4 Straßen Ort zum stehen kommt. Wir schoben das Auto auf den Sandparkplatz daneben (natürlich mitten rein statt an die Seite) um sprangen schnell ins Auto um nicht von den vielen Moskitos vollends ganz ausgesaugt zu werden. Um die lästigen Blutsauger aus dem Auto zu halten schlossen wir alle Türen, was die Luftqualität bei dem vollen Auto in Sekunden herabsinken lies. Wir versuchten meinen Hostdad anzurufen, dass er uns etwas Sprit bringen kann. Doch sein Handy war aus, was sehr ungewöhnlich ist, da er es normal immer an hat.
Zu allem Übel hatte Donna (meine Hostmum) ihr Handy auch nicht dabei und wer kann sich schon alle Nummern auswendig merken? Zum Glück konnte Leeanne (meine Hostsister) eine Freundin anrufen und sie beten am Haus vorbei zu schauen und Roger (mein Hostdad) zu informieren. Das dauerte jedoch lange und Leeanne vergaß ihr mitzuteilen dass wir neben der Tankstelle stehen und nicht mehr am See.
So saßen wir im Auto, in Badekleidern. Draußen war es dunkel, von einer einsame Straßenlaterne angestrahlt, blutrünstige Moskitos die versuchten durch die Scheibe zu fliegen, die Fenster hoffnungslos beschlagen, mitten auf einem Sandparkplatz. Man darf nicht vergessen, dass das Rauchen von Marijuana hier in Colorado, teilweise legal ist, aber ganz sicher nicht in einem Auto mit 3 unter 21 jährigen. Wir waren alle überrascht, dass kein Polizist anhielt und uns wenigstens kontrollierte. Denn sehen konnte man nicht mehr viel. Die Entscheidung die Tür geschlossen zu halten und die schlechte Luft in kauf zu nehmen um uns vor den Moskitos zu schützen, war etwas wie Not gegen Elend. Ist beides nix.
Nach einer Weile stellten wir entsetz fest, dass wir an den Straßenrand müssen, damit Roger wenigstens die Chance hat, uns zu sehen. Entsetzt deshalb, da wir dafür raus mussten um das Auto zu schieben. Doch was bringts, Augen zu und schieben.
Wir saßen dann noch eine Weile am Straßenrand als Leeanne, wie vom Moskito gestochen, aus dem Auto sprang und laut rumbrüllte und mit den Armen zu wedeln begann. Und tatsächlich, das Auto stoppte auch. War leider das falsche. Statt Roger hat Leeanne es geschafft zwei seltsame Menschen anzuhalten die sofort, wie in den Ganoven Filmen, ausstiegen und sich an der Fahrer- und Beifahrertür positionierten. Das war schon etwas gruselig. Sie wollten auch gar nicht mehr gehen, erst als ein Auto der Stadt durch die Gegend kam und ein giftiges Mittel, das die Moskitos tötet, in die Luft sprühte, machten sie sich davon. Das Zeugs sollte man nicht unbedingt in der Lunge haben.
Kurze Zeit später kam dann auch Roger und brachte den lang herbeigesehnten Sprit. Doch leider lag es nicht nur am Sprit, das Auto wollte einfach nicht starten. Also quetschten wir uns alle in das Auto rein mit dem er gekommen ist und fuhren zurück. Es stellte sich auch heraus, dass sein Handy sich ausgeschalten im Auto befand…
Am nächsten Tag wollten wir das Auto zusammen mit einem Kumpel von Roger, der einen Anhänger hat, abschleppen. Doch siehe da, wie durch ein Wunder sprang es an! Doch es fuhr nicht gut, wir gurkten das Vehicle zu einer Werkstatt an der ein weiterer Kumpel von Roger arbeitet. Er fand heraus, dass das Auto ansich in Ordnung ist es aber ein Problem mit einem Sensor gibt. Diesen werden wir die nächsten Tage austauschen und dann passt die Sache. 🙂
Wetter: Nachdem es in den letzten Wochen sehr viel geregnet hat, hat sich die Sonne mit ganz viel Power zurück gemeldet. Die letzten Tage hatten wir immer über 40 Grad Celsius und laut dem Wetterbericht soll es auch so die nächsten Tage weitergehen.
Gestern hat es mich auch richtig erwischt. Mir war richtig schlecht, alles um mich rum begann sich zu drehen. Klassischer Fall von ‚Zu-wenig-getrunken‘.

Vegetarische Küche

Eins abends saßen Roger und ich zusammen und schauten die Nachrichten. Roger hat die sehr lustige Angewohnheit mit dem Fernseher zu reden. Als nicht nur ab um an was sagen, nein, wirklich reden. Das ist immer ganz lustig. Er nimmt das Gespräch, welches er mit dem Fernseher geführt hat oft auf und diskutiert mit mir dann das Ende. So waren wir gerade in einem sehr lebhaften Gespräch als plötzlich sein Handy klingelte. Man merkte richtig wie seine Stimmung während des Telefonats sank. Als das Gespräch fertig war sah er aus wie ein kleines Kind, dem man eine Zitrone anstatt von etwas süßem gegeben hat. Er meinte verstört „Donna möchte, dass wir Tofu für sie kochen“. Das passt mal gar nicht zusammen, Roger ist der größte Antivegetarier den ich kenne 😀
Ich: „Weißt du wie man es kocht?“
Roger: „Nein“
Ich: „Weißt du wie es schmecken soll?“
Roger: „Nein! Keine Ahnung!“
Ich: „Hast du es schon einmal gemacht?“
Roger: „Nein“
Ich: „Weißt du wie es aussieht?“
Roger: „Nein“
Ich: „Na dann mal los, dass kann ja etwas werden“ 😀
Nach einer kurzen Suche konnten wir das Tofu im Kühlschrank ausfindig machen. Zum Glück stand es auf der Verpackung drauf. Es sieht aus wie Fetakäse, anders als er Käse, der nach Käse riecht, riecht Tofu nach… Überhaupt nix. Wir konnten nicht mal das Soya riechen, was da drin sein soll. Donna wollte, dass wir es in Olivenöl anbraten und anschließend mit etwas anderem beträufeln sollten. Nun legten wir das zu Scheiben geschnittene Tofu in die Pfanne und warteten eine ganze Weile. Ich fragte Roger ob er wüsste, wie das Tofu aussehen soll, wenn es fertig ist. Er lachte nur und meinte, dass er sich die Frage gerade auch gestellt hatte. Wir drehten eine Tofu Scheibe um und – nix! Absolut gar nichts, es sah genauso aus wie davor. Also riefen wir Donna an und fragten nach, ob und was genau mit dem Tofu passieren soll. Sie meinte, dass es lange dauern würde und am Ende leicht goldbraun sein sollte. Und es dauerte unglaublich lang, doch es färbte sich langsam. Seeeeehr langsam.
Am Ende waren die Tofu Scheiben zu Scheibchen geschrumpft, war aber okay. Für einen ersten Versuch war es gar nicht so übel.
Hinterher meinte Roger missmutig: „Und? Was hast du letzten Freitagabend gemacht?“ und gab sich auch sofort die Antwort „Tofu gekocht“. 😀

Amerikanische Hochzeit

Am letzten Samstag waren wir bei der Hochzeit von meinem Gastcousin, der auch mein Collegecoordinator ist. Ich war echt gespannt zu sehen, wie eine amerikanische Hochzeit so abläuft.
Als wir an der Kirche ankamen, in welcher die Trauzeremonie stattfinde sollte, gab es die erste Überraschung. Cullen (der Bräutigam) stand da und begrüßte die ganzen Gäste. Es ist also nicht so, dass man das Brautpaar erst später sieht. Nach Cullen standen da in einer Reihe die Groomsmen, angeführt vom Best Man. Die Groomsmen sind die besten Kumpels vom Bräutgam, der Best Man ist der aller beste Kumpel oder Bruder. Sie alle tragen die selbe Kleider, die vom Bräutgam gestellt werden. Sieht also ziemlich cool aus. Die Groomsmen helfen dem Bräutigam beim planen und durchführen der Hochzeit. Nach dem begrüßen zeigen sie einem den Sitzplatz in der Kirche. Die Familie um Freunde des Bräutigams sitzt auf der einen, Familie und Freunde der Braut auf der anderen Seite. Da wir zur Familie von Cullen gehören, durften wir in die zweite Reihe sitzen, dadurch hatten wir einen super Blick. Wenn alle da sind läuft der Bräutgam zusammen mit seinen Eltern ein und verweist sie auf die erste Reihe. Danach geht er da hin wo in Deutschland ein Altar steht und stellt sich dort unter ein Gestell welches mit weißen Blumen und weißen Tüchern dekoriert wurde. Danach kommt die Familie der Braut und setzt sich auf die andere Seite. Nachdem diese sich gesetzt haben, kommt der Best Man und stellt sich von den Gästen aus gesehen rechts neben den Bräutigam. Anschließend kommen nach und nach die anderen Groomsmen. Sie reihen sich auf, so dass es wie ein halbes „^“ aussieht, mit dem Bräutigam an der Spitze. Danach kommen die Bridesmaids und stellen sich auf. Allerdings nicht wie die Männer von oben nach unten sondern von unten nach oben. Sie tragen nicht alle das selbe Kleid, es ist aber in der selben Farbe und von der Idee her sehr ähnlich. Als letztes kommt die Maid of Honor, sie ist der Gegenentwurf zum Best Man. Nach der Maid of Honor kam ein Blumenmädchen, sie warf Blumen auf den Boden. Wenn alle da sind wird die Braut von ihrem Vater herein geführt. Sie ist auch die einzigste für die alle aufgestanden sind. Wenn beide vor der Aufstellung angekommen sind, übergebt er seine Tochter symbolisch dem Bräutigam und er führt seine zukünftige Ehefrau unter das Blumengestell. Während der gesamten Zeremonie stehen die beiden sich Hand in Hand gegenüber, jeder hat dabei seine Leute (Groomsmen bzw. Bridesmaids) im Rücken. Das sieht schon sehr cool aus.
Beide halten während der Zeremonie eine Rede in der sie dem Partner Treue um so weiter Versprechen.
Die Ringe tragen der Best Man und die Maid of Honor bei sich und übergeben diese an die zukünftigen Eheleute bei der Ringübergabe. Danach werden die beiden gefragt ob sie den anderen zum Mann/zur Frau nehmen wollen. Nachdem beide dies bejahten meinte der Pastor „Cullen, jetzt frage ich dich etwas was du bestimmt schon mal davor getan hast“. Das brachte einige Lacher 😀 Falls ihr euch es nicht denken könnt, es war „Du darfst die Braut jetzt küssen“.
Als der obligatorisch Kuss vorüber war, drehten sich die beiden frisch Vermählten nach vorne zum Publikum und der Pastor verkündete „Sehr geehrte Anwesenden, ich präsentiere euch Mr. und Mrs. Cullen Johnson!“. Da klatschen alle Beifall, das Brautpaar holte sich Gratulationen von den Eltern ab und verabschiedete sich, vom Applaus begleitet, in einen anderen Raum. Danach ging der Best Man zusammen mit der Maid of Honor Arm in Arm nach draußen, die anderen Groomsmen und Bridesmaids taten es ihnen gleich. Ihnen folgten die Eltern und die weiteren Familienangehörige. Vor der Ausgangstüre hatten sich derweil die Groomsmen und Bridesmaids positioniert und verteilten Fähnchen. Jeder schnappte sich eins und stellte sich an die Seite und bildete so einen Gang, durch den das Brautpaar unter großem Jubel bis zum Auto geführt wurde.
Nach der kirchlichen Zeremonie ging es in eine Festhalle. Dort wurden Bilder gemacht und das Essen serviert. Die Eheleute saßen an der Spitze der Gäste, zusammen mit ihren Groomsmen und Bridesmaids. Das sah echt cool aus.
Nach dem Essen gab es den Tanz des Brautpaars, danach den Tanz der Braut mit dem Vater und als letztes den Tanz des Bräutigams mit seiner Mutter. Als nächstes wurde der Hochzeitskuchen angeschnitten. Jeder schnappte sich ein Stückchen dieses viel zu süßen Kuchens und genoß es. So mehr oder weniger. Durch den Zucker hatte jeder wieder Energie und es gab den Dollertanz. Jeder der einen Doller der Braut gab durfte mit ihr tanzen. Eine coole Idee, das Geld von dem Tanz wird für die Hochzeitsreise verwendet. Mit dem Dollertanz wurde die Tanzfläche für alle freigegeben und nach dem tanzen war die Hochzeit auch schon vorbei.
Ich fand es super spannend eine amerikanische Hochzeit live miterleben zu dürfen. Das war schon cool, ich finde die Idee mit den Groomsmen und Bridesmaids absolut genial.

Der Grund für meine Überschrift

Kimme und Korn – ist kein Schreibfehler, ich meine nicht Kümmel und Korn. Kimme und Korn kennt man von… Na? Genau! Von Gewehren und Pistolen. Kimme und Korn braucht man beim zielen. Man versucht Kimme, Korn und das Ziel auf eine Linie zu bringen. Wenn das klappt hat man gute Chance das Ziel zu treffen – wenn man nicht noch davor wackelt. 😉
Die Kimme ist hinten, nah am Gesicht. Von dort sucht man nach dem Korn, welches vorne, am Ende der Waffe ist. Von dort versucht man dann das Ziel anzupeilen.
Am Sonntag Nachmittag fuhren wir raus auf die Prärie, um in der Abgeschiedenheit etwas zu schießen. Wir hatten einen Pizzakarton, einen alten Kanister und viele leere Dosen als Ziele. Zuerst schossen wir mit einer Magnum 357er, einer Handpistole. Das Teil schwerer als ich dachte und es ist echt nicht einfach damit zu treffen. Gerade für mich, der noch nie mit einer echten Pistole geschossen hat. Die Waffe ist beim Schuss auch echt laut, da war ich für die selbstgebastelten Ohrenschützer sehr dankbar. Ich hatte Schwierigkeiten beim zielen mit dem ruhighalten der Hände. Man steht breitbeinig da, beide Hände ausgestreckt an der Waffe. Man sucht das Ziel, versucht die Position zu halten und drückt ab. Durch den Rückstoß (welchen ich mir stärker vorgestellt habe) drückt es die Pistole etwas nach oben. Dadurch, dass die Pistole relativ weit weg vom Gesicht ist, fällt das zielen schwerer. Wir schossen aus gut 100 Metern Entfernung. Wie viel 100 Meter sind weiß jeder der die Distanz mal beim Sport in einer bestimmen Zeit rennen musste, oder wer mal schießen war. Da sieht man nur schwer das Ziel hinter dem Korn.
Am Ende traf niemand von uns irgendwas. Tja, bei einer Notsituation wären wir echt geliefert 😀
Nach der 357er schossen wir mit der nächsten Waffe. Der AK-47. Es ist ein halbautomatisches Gewehr. Mit der AK-47 war es einfacher zu zielen, da man den Kolben der Waffe gegen die Schulter drücken konnte. Das sorgte für mehr Stabilität. Dillen zersäbelte mit ihr den Pizzakarton, Leeanne und ich trafen den Kanister.
Nach der AK-47 schossen wir mit einem älteren Gewehr. Ist ein 22iger Kaliber und fast lautlos. Das perfekte Jagdgewehr. Man hat dort immer nur einen Schuss und muss danach neu laden. Mit diesem Gewehr war es super einfach zu zielen (kaum Rückstoß) und wir trafen viele Dosen. Als ich meine erste Dose traf fragte mich Roger was für eine Dose ich getroffen hätte (wir hatten blaue Pepsi und rote Cola Dosen dabei) und ich antwortete lässig: „Die rote. Ich mag Cola mehr als Pepsi“.
Ich fragte Roger was man mit dem 22iger Kaliber so töten könnte. Ich dachte an Vögel und Hasen und war sehr überrascht als er meinte, dass man damit einen Menschen töten könnte. Auch Rehe, Hirsche und Elche stellen kein Problem für das Gewehr da.
Als wir unsere Munition verschossen hatten, sammelten wir unser Zeugs ein und fuhren zurück.
Das schießen war eine interessante Erfahrung. Ich war überrascht, wie schnell die Kugeln unterwegs sind. Du drückst ab und siehst die Kugel auch schon auf der anderen Seite einschlagen.
Wie bereits erwähnt, dies war mein letzter Blogeintrag von La Junta aus. Jetzt bin ich noch 10 Tage hier und danach geht es auf den Roadtrip. Darauf freue ich mich schon sehr und ich bin gespannt, was ich dort alles erleben darf. Ich werde weiter versuchen meinen Blog zu beschreiben, kann es aber nicht versprechen. Ich weiß leider nicht ob und wie ich Zeit dazu finden werde.
Also, wenn ihr das Gefühl bekommen habt schon lange nichts mehr von mir gehört zu haben, fühlt euch frei mich zu kontaktieren (Whatsapp, Rauchzeichen, Instagram, Facebook, E-Mail, Flaschenpost, Brieftaube,… Bitte keine Mors Signale, die kann ich nicht 😉 )
🙂

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