Besuch von daheim

Jun - 12 2015 | By

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

drei Wochen sind mittlerweile ins Land gezogen seit ihr euch das letzte Mal an meinem Blog erfreuen konntet 😉 Drei Wochen… Sehr viel Zeit. Vor allem in unserer schnelllebigen Gesellschaft. Vor drei Wochen zum Beispiel schaffte es der VfB Stuttgart wie durch ein Wunder doch nicht abzusteigen.
In den letzten Tagen und Wochen ist viel passiert. Und eigentlich gibt es nur positives zu berichten, mit einer Ausnahme…

Update zur aktuellen Lage

Job: Die Arbeit läuft so vor sich hin. Ist ziemlich unaufregend. Hat den Vorteil, dass es nicht anstrengend ist und keine Nerven kostet oder den Wachstum der grauen Haare in Gang setzt. Dafür ist es manchmal auch echt hart die Wochenzeit abzusitzen. Auch wenn es im Moment etwas ruhiger ist weiß ich, dass die nächsten Wochen wieder intensiver werden. Ein großes Projekt steht vor der Tür…

Volunteer Work: Meine Volunteer (ehrenamtlichen) Stunden sammeln sich wie von selbst. Das golden Zertifikat des US State Departments sollte nun ein Selbstläufer werden. Die Arbeit im Crossroads Store ist sehr abwechslungsreich, das genieße ich sehr. Ich bin mittlerweile auch schon zum internen Experten, was die Probleme mit Kasse betrifft, aufgestiegen. Wer hätte das jemals gedacht, dass ich mal gerufen werde um Sachen zu reparieren 😀
Auch sonst finde ich die Arbeit sehr klasse. Da die Hälfte es Ladens ein ‚Giftstore‘ (also ‚Geschenkeladen‘) ist, komme ich in den einmaligen Genuss, unterschiedliche handgemachte Produkte aus über 33 verschiedenen Ländern bewundern zu dürfen. Von Musikinstrumenten über Schmuck zu Dekorationsartikel bis hin zu Spielzeug ist alles dabei. Die Länder aus denen die Produkte kommen sind ausschließlich dritte Welt Länder, dort wird den Menschen ein gerechter Preis für ihre mühevolle Arbeit bezahlt.

Auto: Das ist leider der negative Teil der vergangenen Wochen. Wie durch ein Wunder hat sich das Reifenprofil meiner beiden Vorderräder aufgelöst. Da sieht man doch gleich wo der Vorbesitzer Geld gespart hatte. Man kann an beiden Rädern sogar schon den Draht sehen – und fühlen. Als ich ungläubig mit meiner flachen Hand über den abgefahrenen Pneus fuhr riss ich mir doch tatsächlich einen Finger auf. Tja, Dummheit muss halt manchmal auch bestraft werden 😀
Der Genuss von zwei neuen Rädern kostet mich nochmal $ 280!!! Das ist sehr ärgerlich und hat mich doch sehr schockiert. Ich mein $ 140 für EIN neues Rad?! Das sind im Moment fast 124€! Ich will doch nur einen ganz normalen Reifen und nicht das ganze Auto noch mal um fast 20% finanzieren! Aber jammern hilft ja nichts, darum werd ich da wohl in den ganz schön sauren Apfel beißen müssen und das zahlen. Ist halt doof wenn man ein etwas älteres Auto hat und es nicht mehr so viele Reifen gibt die da drauf passen. Aber was solls, das Leben geht weiter 🙂

Wetter: Ja das liebe Wetter hat die letzten Wochen nicht so gespielt wie es die Allgemeinheit erwartete. Das fand ich etwas enttäuschend, weswegen, schreib ich nachher.
Jedenfalls gab es neben ein paar weiteren Tornado Warnungen (es ist nichts passiert) auch ganz viele Regentropfen die sich auf der Prärie/Wüste fallen gelassen haben. Diese haben ein Pflanzenwachstum verursacht von dem kein Bewohner hier jemals zu träumen gewagt hätte. Und weil die Gleichung Wasser = Pflanzenwachstum so prima ist hat es auch gar nicht mehr aufgehört zu regnen. Nun war der Boden so viel Wasser überhaupt nicht mehr gewohnt. Er hatte eine 15 jährige (!!!) Trockenzeit hinter sich und war auf so viel Wasser so gut vorbereitet wie die Bundeswehr Flugzeuge es auf einen Einsatz wären. Gar nicht. Es gab überall Überschwemmungen, weil das Wasser nicht mehr im Boden versickerte und das geschaffene Hochwasserschutzbecken wohl in der Trockenzeit entworfen worden sein muss. Das war ziemlich tragisch für die vielen Leute am Fluss, da man das Wasser auch nirgends hinpumpen konnte. Mittlerweile hat sich Southeast Colorado wieder an seine sengende Hitze erinnert und viel Wasser ist wieder verschwunden. Nur was erstmal bleibt, sind die Schäden.
Der Grund für meine Überschrift

Ich bekam Besuch von meinen Eltern!! 😀 das war mega cool und ich glaube, dass auch sie die Zeit sehr genossen haben. Könnt ihr sie bei Gelegenheit mal fragen 😉

Und das ist auch der Grund warum ich vom Wetter sehr enttäuscht war. Eigentlich hoffte ich Ihnen das zeigen zu können, was ich fast ein Jahr lang gesehen habe. Und nicht so eine Landschaft die plötzlich meinte in ihrer schönsten Blüte dastehen zu müssen. Wie dem auch sei, ich glaube sie waren von der vital wirkenden Landschaft doch angetan.

Am Tag nach ihrer langen und anstrengenden Ankunft ging es zum Walmart. Der wohl bekannteste Einkaufsladen in Amerika, ein Mega Supermarkt. Das ist der Laden in dem man ALLES bekommt. Waffen, Autoteile, Kosmetikartikel, Putzutensilien, Kleider, Lebensmittel, Spielzeug, Fernseher, Bastelsachen und Backwaren, nur um mal ein paar Gruppen zu nennen. Wenn ich mich recht entsinne habe ich den Laden schon einmal genauer beschrieben. In einem älteren Blogeintrag. Meine Eltern waren von dem Laden mindestens genauso beeindruck und überwältigt als ich es beim ersten Mal es war. Sowohl was den Umfang des Ladens als auch die Größe der Produkteinheiten betrifft. So eine zwei Kilogramm geriebene Käse Packung läuft hier halt als handelsübliche Haushaltspackung. Oder die Größe der Konserven, welche die deutschen Konservendosen wie einen kleinen Witz aussehen lassen.

Nach dem Walmart Besuch ging es zu Bent’s Old Fort. Das Fort ist ein originalgetreuer Nachbau des altehrwürdigen Handelsfort was nördlich des Arkansas River, nur 10 Minuten östlich von La Junta liegt. Das Fort wurde 1833 von William und Charles Bent erbaut. Es handelt sich dabei um ein reines Handelsfort. Es war damals in der Zeit der Siedler das „Tor zum Westen“ und auch die wichtigste Station zwischen Santa Fe in México (ging damals bis an den Arkansas River, umfasst also California, New Mexico, Arizona und Teile von Oregon und sogar Washington (der Staat, nicht D.C.) und der Ostküste der vereinigten Staaten. Das Fort lag also genau an der amerikanisch-mexikanischen Grenze und dazu noch mitten im Indianergebiet der Cheyennen. Doch anders als man es aus vielen Western kennt war die Beziehung zwischen den Siedlern und den Einheimischen ausgesprochen gut. William heiratete später sogar eine Cheyennin und wurde somit Teil des Stammes. Beide Seiten profitierten voneinander durch einen florierenden Handel. Die Cheyennen versorgten die Siedler mit Fellen, Schmuck und Fleisch, die Siedler die Cheyennen mit allem möglichen wie Waffen oder Alkohol. Das Fort wurde zum wichtigsten Umschlagsplatz für die Felljäger. Es war zugleich das beste Winterquartier für die vielen Trapper in den Rocky Mountains. Das Fort wurde immer bekannter, es entwickelte sich zu einem der beliebtesten Plätze seiner Zeit. Die Anzahl der Bewohner lag bei 40, jedoch erhöhte sich die Zahl in der Saison auf über 200. Da war also richtig was los. Sehr viele Größen aus der Zeit der Besiedlung des Westens machten hier Stopp.
Während dem amerikanisch-mexikanischem Krieg wurde von der amerikanischen Regierung immer wieder versucht das Fort den beiden Bent Brüdern abzukaufen. Es war aufgrund seiner strategischen Lage sehr beliebt. Doch die Brüder entschieden sich gegen den Verkauf und hielten an dem Konzept eines reinen Handelsposten fest.
1849 wurde das Fort niedergebrannt. Über die Ursache gibt es nur Spekulationen, Beweise wird man wohl nicht mehr finden. Ein Theorie sagt, dass William es selber abgebrannt hatte damit die Armee sein Fort nicht für militärische Zwecke missbraucht. Eine andere Möglichkeit könnte sein, dass er es abbrannte um einer Seuche, die sich zu der Zeit verbreitete, Einhaltung zu gebieten in dem er alle Erreger verbrannte. Eine dritte Möglichkeit ist, dass Indianer es abbrannten. Was es wohl letztendlich war werden wir wohl nicht mehr heraus finden.
1976 wurde das Fort Dank der Aufzeichnungen von Leutnant Albert, welche er seinerzeit anfertigte, originalgetreu nachgebaut.
So viel zum historischen Teil. Wir schauten uns das Fort an einem Tag, der wie dafür gemacht schien, an. Es war angenehm heiß und ein paar Wolken brachten etwas Farbe ins Landschaftsbild. Man parkt etwa einen guten Kilometer vom Fort weg und läuft dann langsam auf das Fort zu. Das sieht schon toll aus, wie es dort am Fluss thront. Es sieht gar nicht so groß aus, das liegt daran, dass es kaum etwas in der Nähe gibt womit man die Größe einschätzen könnte. Wenn man dann drin ist und die vielen Räume gesehen hat stellt man schon fest, dass es eine riesige Anlage ist. Die Mauern bestehen aus fast einem dreiviertel Meter dickem Schlamm-Kalk-Stroh Gemisch. Das Zeugs wurde zu Ziegeln geformt, gebrannt und verbaut, das Material isoliert auf natürliche Weise. Hält die Zimmer im Sommer kühl und im Winter warm. Vom Kühlungseffekt konnten wir uns persönlich überzeugen und wurden angenehm überrascht. Es ist viereckig, an der Südwest- und an der Nordostecke befindet sich jeweils ein massiger Rundturm. An den beiden anderen Ecken befinden sich Wohnblöcke. An der Nordseite befindet sich das Eingangstor, darüber ein Wachhaus mit einer Glocke, auf der Spitze (natürlich) die amerikanische Flagge. Nicht, dass jemand nicht weiß wo er gerade ist ;). Im Süden befinden sich die Ställe für die Pferde. Auf der Ost- und Westseite befinden sich auf der Mauer Wohnhäuser. Im Westen zusätzlich noch eine Baar und ein Biliardraum. In den Gebäuden an der unteren Seite der Mauer befinden sich Werkstätten, eine Schmiede, ein Speisesaal, einige Zimmer, ein Lager und ein Laden. Wir fanden auch ein Munitionslager und die Whiskeykammer 😀
Das Fort ist sehr beeindruckend, es war auch alles super eingerichtet. Hier wird Geschichte wirklich lebendig! Wie hatten die Chance echtes Bisonfell zu fühlen – sowas flauschiges hab ich noch nie gefühlt, kein Wunder war das Fell so beliebt. Dagegen ist ein Schafsfell eine kratzige Bürste 😉

Am Tag danach ging es nach Pueblo, der nächsten größeren Stadt hier in der Gegend – eine Stunde weit weg. Dort gingen wir in der Mall amerikanisch einkaufen. Amerika ist ja auch berühmt für seine Malls, große Einkaufshäuser mit vielen vielen verschiedenen großen Läden.
Danach ging es zum River Walk in der Stadtmitte. Der River Walk ist ein Abschnitt an dem die Leute von Pueblo das Flussufer schön gestaltet haben. Sieht ganz toll aus, vor allem wenn es nicht regnet. Denn dann haben die Cafés und Eisdielen offen. Leider regnete es als wir ankamen, doch wieder einmal war auf das Colorado Wetter Verlass. Wenn es dir nicht gefällt warte einfach 10-20 Minuten und dann ändert es sich. Und tatsächlich kam es auch so, war wunderbar. Nur leider blieben die Läden geschlossen.

Am Samstag ging es nach Colorado Springs in den Garden of the Gods. Dieser Naturpark ist ein, wenn nicht sogar DAS, Wahrzeichen von Colorado. Wenn ihr gerade Zeit habt könnt ihr das gerne mal googlen, ist ziemlich genial :). Im Laufe der Jahre haben sich Gesteinsschichten übereinander geschoben und nach oben gedrückt. Die roten Felsen sehen ein bisschen wie Brotscheiben aus, so wie sie neben einander stehen. Es hat sogar richtig große Brocken rausgedrückt, da sieht man wunderbar wie die Sedimentstrucktur verläuft, sehr beeindruckend. Und wenn ich von „Brocken“ schreibe meine ich solche Felsen die mal gut an die 80-100 Meter hoch sind. Das ist auch das miese an dem Park. Du kannst die unfassbare Größe nicht wirklich festhalten auf einem Bild. Du musst es mit eigenen Augen sehen, dann wird dir bewusst, wie gewaltig die herausgehobenen Felsen eigentlich sind. Sie verteilen sich etwas, sodass man eine schöne Wanderung machen kann. An manchen stellen kann man sogar etwas hineinklettern.
Nach dem Garden of the Gods ging es zur nächsten Station in Colorado Springs. Dem Cheyenne Mountain Zoo. Eine der Hauptattraktionen in Colorado Springs, sehr berühmt für sein Giraffen Freigehege. Da laufen um die 15 Giraffen in einem Aussengehge rum, auf dieses kommt man durch eine hohe Plattform. Man ist dort auf Giraffenkopf Höhe und kann die Pflanzenfresser von dort aus füttern und streicheln. Das ist ziemlich cool! Dabei haben wir gemerkt wie dämlich Giraffen aussehen, wenn sie ihre große Zunge raushängen lassen und darauf herum kauen. Die sind gar nicht so graziös wie sie im Fernsehen dargestellt werden 😀
Es gibt auch ein Lift mit dem man über den Zoo auf eine Aussichtsplattform fahren kann. Von dort hat man einen fantastische Blick über Colorado Springs. Ein weiterer Höhepunkt am Zoo waren die Grizzlybären. Von denen war ich persönlich schwer überrascht. Die sind so viel größer als ich mir sie vorgestellt habe. Über einen Hochsteg kann man über das Bärengehege laufen und einen fabelhaften Blick auf die pelzigen Vierbeiner werfen. Über den Steg kommt man in ein Haus, dessen Fenster liegen auf Höhe eines Teiches in dem die Bären schwimmen können. Wir hatten Glück und gerade als wir kamen plantschte ein Grizzly vergnügt im Wasser und spielte mit seinem, mit Fleischfetzen besetzten, Knochen. Sah richtig drollig aus wie tollpatschig er sein blutiges Spielzeug behandelte. Er warf es hoch und fing es wieder auf, wieder mit der Schnauze hoch und mit der Tatze gegen die Glasscheibe schmettern. Es war herrlich amüsant.
Am Ende sahen wir sogar noch einen Weisskopf Adler, der unangekettet (!!!) ganz entspannt auf einem Baum saß. War ziemlich stark das Wappentier der Vereinigten Staaten von Amerika keine 2 Meter weit weg auf einem Baum sitzen zu sehen.
Danach ging es wieder zurück nach La Junta. Auch das ist Amerika, vier Stunden Fahrt für einen Tagestrip, warum nicht?

Am nächsten Tag ging es auf nach Las Vegas. Wir fuhren früh morgens los; und wenn man mal so einen Tagestrip durch Amerika gemacht hat, versteht auch die Bedeutung der „Unendlichen Weiten“ nochmal ganz neu. Da kamen vom Navi schon mal so Anweisungen wie „In 300 Kilometern links“ oder „In 250 Kilometern rechts halten“. Das verrückte ist, dass du dich daran gewöhnst und wenn dann „In 87 Kilometern links“ kommt du „Ach ist ja gar nicht so weit“ denkst.
Wir fuhren durch die unterschiedlichsten Landschaften – immer für mehrere Stunden. Am Anfang war es die endlose Prärie, danach ging es mitten durch die Rocky Mountains. Dort waren wir zwischenzeitlich über der Schneegrenze. Wir hielten an einem Pass und waren dort über 3.250 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Vergleich, die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, liegt nur knappe 3.000 Meter über dem Meeresspiegel. Und an dem Bergpass waren wir nicht mal ganz oben auf der Spitze, doch von der Höhe war es so, als ob wir über die Zugspitze gefahren wären, ist brutal wenn man sich das bildlich vorstellt 😀
Nach den Bergen kamen wir in eine Allgäu ähnliche Landschaft, wunderschön. Danach kamen wir wieder in eine Prärie die sich langsam in eine Stein- und Felslandschaft wandelte. Das hätte echt was wüstenhaftes, da wuchs nix. Einige Stunden vor Vegas wurde es wieder hügeliger und sandiger. Die Landschaften die sich uns boten sind nicht zu beschreiben. So unendlich scheinend, so weit, so tief. Das kannst du nicht in Bilder oder Worte fassen. Man kann versuchen es zu erklären, doch verstehen wirst du es nur, wenn du es mit den eigenen Augen gesehen hast und für viele Stunden im Auto sahst und die immer gleiche Landschaft gesehen hast, bis es sich nach vielen Stunden einmal ändert.
Wir stoppten unterwegs am 4 Corner Monument, also am 4 Ecken Monument. Das ist die einzigste Stelle in Amerika an der sich vier Staaten treffen. Hier haben Colorado, New Mexico, Arizona und Utah eine gemeinsame Grenze. Das Monument ist eine Eisenplatte die in den Boden eingelassen wurde, dazu gibt es an allen vier Seiten Verkaufsbuden welche von Ur-Amerikanern betrieben werden. Sowas trockenes habe ich noch nie erlebt. Da hast dein Mund aufgemacht und hattest das Gefühl ein Schwimmbad leer trinken zu können. Ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn einem da die Augen austrocknen. Da hat man wortwörtlich gefühlt wie die Sonne auf die Haut brennt, es war brutal.
Danach ging es direkt weiter nach Las Vegas. Es war bereits Nacht, als wir über eine Kuppe fuhren und wir einen spektakulären Blick auf Las Vegas bekamen. Durch die vielen Lichter wie in Gold getaucht, eine gigantische Stadt mitten in der Nevadawüste. Wir hatten nach dem Anblick noch etwa eine halbe Stunde zu fahren, bis wir am Hotel ankamen. Damit dauerte die Reise von La Junta nach als Vegas 17 Stunden. Am Hotel gaben wir unser Auto am Valet (sprich: ‚Waliii‘) ab. Die Leute dort kommen mit einem Wagen auf welchen dein Gepäck kommt und parken dein Auto. Ist ein super Service 😉
Wir sind dann in das Hotel gegangen und haben eingecheckt, auch das ging sehr schnell. Mein Eltern haben ein Hotel direkt am Strip (dem Las Vegas Boulevard, da sind die ganzen Hotels drauf) gebucht, wir hatten also eine Weltklasse Lage. Im Zimmer habe ich dann beim Gepäckservice angerufen und unser Gepäck wurde aufs Zimmer gebracht. An den Service kann ich mich echt gewöhnen 😀
Abends liefen wir noch über den Strip um die Atmosphäre zu genießen. Wir sahen uns unter anderem die spektakuläre Fontänenshow des Bellagio Hotels an. Einfach überragend, ist superschön anzusehen. Es wird über Lautsprecher ein Lied abgespielt und die Fontänen werden dazu programmiert, sodass die Show zur Musik passt, dazu ist es mit Lichteffekten untermalt, im Hintergrund das hell beleuchtete Hotel. Einfach einzigartig, ich war super begeistert. 🙂
Aber auch die anderen vielen Hotels, Reklamen, einfach alles ist gigantisch groß und wird herrlich beleuchtet mit den fantasievollsten Lichtern wie man es sich vorstellen kann. Du gehst einfach nur fasziniert durch die Straße und kommst aus dem Staunen nicht mehr raus.
Am nächsten Morgen besuchten wir den Secret Garden (geheimer Garten) von Siegfried & Roy. Die zwei waren früher große „Magier“, wahre Meister der Illusion. Sie wurden sehr berühmt für ihre Aufführungen mit weißen Tigern und weißen Löwen. Diese wurden von den beiden aufgezogen und trainiert. Die lebten mit denen zusammen auf ihrem Anwesen wie andere mit ihrer Hauskatze. Nur waren die Tiere von Siegfried und Roy ECHTE Stubentiger ;).
Im Garten gab es am Anfang eine große Poolanlage, dort schauten wir uns einige Delphine Shows an. Es war gigantisch cool, wir waren von den Delphinen keine 3 Meter weit weg. Da steht man einfach nur staunend daneben wenn diese artistische Tiere ihre Kunststücke vorführen. Einfach nur genial. Es gibt auch ein Untergeschoss mit abartig großen Panoramafenstern durch die man unten ins Aquarium schauen kann. Und die Scheiben sind im Gegensatz zu vielen Sealife Centern sehr gut geputzt. Man sieht die Delphine super gut und die schwimmen immer wieder am Fenster entlang um die neugierigen Besucher zu begutachten. Echt top!
Als wir uns von den Delphinen und ihren Shows satt gesehen haben gingen wir zu den Raubtieren. Die lagen zwar der Hitze geschuldet unmotiviert rum und schliefen (bis auf ein weißer Tiger der selbstherrlich in seinem Gehege rumstolzierte und für die Fotografen posierte) trotzdem war es super cool die Tiere zu sehen. Es gab weiße Löwen, weiße Tiger, ein Leopard und ein schwarzer Leopard, war richtig stark. Ist nicht so wie in der Wilhelma wo man sich so spannende Tier wie Esel und Kühe anschauen kann. Hier wird einem richtig was geboten! Da sieht man live, was man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, echt toll.
Als nächstes liefen wir durch alle möglichen Hotels. Die Hotels in Las Vegas sind absolut sehenswert. Sie haben alle ein eigenes Thema, welches konsequent durchgezogen wird. Dabei ist der Aufbau bei allen Hotels gleich. Im Eingangsbereich wird auf das Thema des Hotels hingewiesen (durch Gestaltung) und dann geht es in einen großen Casino Bereich mit allerhand Automaten und Tischen auf denen man sein Glück herausfordern kann. Der Rest ist vom Stil her am Thema dran.
Wir liefen durch das Venezia und Plaza Hotel. Dort ist eine Abbildung von Venedig nachgebaut, die Decke ist wie der Himmel bemalt, mit Wolken und allem. An den Seiten stehen Häuser, der Boden sieht gepflastert aus. Man hat das Gefühl dass man durch die Gassen Venedigs schlendert. Mit einem Kanalsystem auf dem Gondeln fahren und die Leute auf dem Bot singen. Ist super stark, ganz ganz toll. Wir gingen danach noch in viele Hotels und genossen die verschiedenen Themen. Zwei Hotels stachen dabei besonders heraus: Das Excalibur und das Luxor. Das Excalibur ist wie eine Burg aufgebaut. Mit Wachtürmen, Toren und allem. Innen hängen Teppiche von den steinigen Wänden und Ritterrüstungen stehen an der Seite. Die Musik hat einen mittelalterlichen Einschlag. Ich finde die Idee sau stark, wer hat sich denn noch nie gewünscht mal in einer Burg zu leben?
Das Luxor ist noch eine Nummer besser. Es ist eine riesige Pyramide, eine Sphinx ist der Eingang, ein Obelisk steht davor. Wenn man in die Pyramide geht sieht man am Eingang die typisch ägyptischen Hunde und Wachleute, in Stein gemeißelt, stehen. Natürlich in mega groß. Drinnen läuft man dann durch ein Tor das wie eine ägyptische Grabkammer aussieht. Mit allem drum und dran! Einfach genial! Die Zimmer sind sehr raffiniert angebracht, sind an den schrägen Wänden der Pyramide und ziehen sich wie Ringe nach oben. Die Aufzüge gehen darum nicht gerade nach oben sondern fahren einen schräg, mit dem Steigunswinkel der Pyramide, nach oben. Da hat sich echt jemand was gedacht! Innen gibt es auch eine nachgebaute altägyptische Häuserreihe. Ist echt super gut gemacht. Oben an der Spitze muss in starker Lichtstrahler sein, denn abends sieht man aus der Pyramide einen brutal hellen und hohen Lichtstrahl heraus scheinen. Wundert mich, dass das geht, aber beeinträchtigt anscheinend nicht die Flugzeuge die am Flughafen von Las Vegas landen. Eine Mumie haben wir leider nicht gefunden, das wäre noch die Krönung gewesen 😀
Danach ging es noch durch weitere Hotels, da kann locker mehrere Stunden in jedem verbringen. Sind einfach mega cool. Gerade bei Nacht, wenn die abgefahrensten Lichter die Gebäude in ganz neuem Glanz zeigen.
Als nächstes ging es ab in den High Roller, das größte Aussichtsriesenrad der Welt. Dort kommt man in sehr große Glasgondeln (der Boden ist kein Glas) und wird super langsam bewegt. Eine Umdrehung dauert eine halbe Stunde. So kann man den atemberaubenden Ausblick über Las Vegas genießen. Von dem Riesenrad aus hat man einen herrlichen Blick auf den Strip und den restlichen Teil (ja, Las Vegas besteht nicht nur aus Hotels und Glücksspiel) der Stadt.
Anschließend liefen wir zum Mirage Hotel und schauten uns die Vulkanshow an. Auch ganz spektakulär, es wird dort ein Vulkanausbruch simuliert. Ist eine herrliche Show aus Feuer, Wasserfontänen und Lichtern. Richtig begeisternd! 🙂
Wir versuchten auch zu gamblen (Glücksspiele spielen) doch der Dealer schmiss mich aus dem Casino, da ich noch unter 21 bin. Glücksspiel und Alkohol sind in den vereinigten Staaten ab 21, heiraten und der Army beitreten kann man schon ab 18. Das ist einer der Punkte die viele Kritiker der 21-Jahre Regel vorbringen; sterben für dein Land darfst du ab 18, trinken in deinem Land erst ab 21.
Und wegen dem heiraten: Es gibt glaub keinen Ort in Amerika an dem mehr Ehen geschlossen werden als in Vegas. Kein Wunder, denn zum heiraten in einer der vielen Hochzeitskapellen (fast jedes Hotel hat eine), muss man 18 Jahre alt sein und einen Führerschein dabei haben um sich ausweisen zu können. Wenn beide Vorraussetzungen erfüllt sind steht der Eheschließung nichts mehr im Weg.

Am nächsten Tag ging es leider schon wieder weiter. Das Ziel war der Grand Canyon mit einem Zwischenstopp am Hoover Dam. Der Hoover Dam ist ein gigantischer Damm, der den Colorado River zurückstaut. Der Damm ist irre hoch und sieht sehr beeindruckend aus. Am Fuß des Dammes befindet sich ein Elektrizitätswerk, dort wird durch Turbinen Strom erzeugt. Auf der Rückseite des Dammes sieht man wie krass der Wasserpegel gesunken ist. Da fehlen locker 20 Meter! Die 15 jährige Trockenzeit in Colorado hat also ganz schön große Auswirkungen.
Der Damm beziehungsweise der Colorado Fluss dient auch als Grenze zwischen den Staaten Nevada und Arizona. Der Damm versorgt Las Vegas und die angrenzenden Stätte mit Wasser und Elektrizität.
Nachdem wir den Damm ausführlich angeschaut, über ihn drüber gefahren und gelaufen sind, ging es auf direktem Weg zu unserem nächsten Hotel. Das Klima am Canyon ist deutlich kühler (25 Grad) als am Damm oder in Vegas. Dort hatten wir 38-40+ Grad. Auch die Vegetation am Canyon viel freundlicher (oder überhaupt vorhanden), mit vielen Kieferbäumen.

Am nächsten Morgen war es dann soweit, wir fuhren an den Grand Canyon. Zum größten Loch der Welt. Und hier sahen wir wieder etwas typisch amerikanisches: Es gibt free Refills und free Ketchup aber wenn man ein paar Steine anschauen will muss man Eintritt zahlen.
Der Moment wenn du den Schildern zum Canyon folgst, du weiter gehst, das Geländer als erstes entdeckst und schließlich den Grand Canyon mit eigenen Augen siehst…. Unbezahlbar. Vergiss die Filme, vergiss Postkarten und Bilder. DAS kann dir NIEMALS das Gefühl der Überwältigung und Faszination geben was du hast, wenn du auf die mächtigen Schluchten blickst. Es ist atemberaubend und wunderschön. Du kannst so weit schauen. Du siehst die verschiedenen Sedimente, verschiedene Felsformationen, verschiedene Gesteinsfarbe. Du siehst genau wo sich der Colorado River durchschlänget, auch wenn du den Fluss nur an den wenigsten Stellen sehen kannst. Und wenn, dann erinnert er an ein trielenden Wasserlauf. Doch der Blick täuscht gewaltig. Der Fluss hat so viel Wasser und eine solch reißende Strömung dass er ein olympisches Schwimmbecken (fast 500.000 Liter) in unter 5 Sekunden auffüllen könnte. Das geht viel Wasser den Fluss runter.
Man kann den Canyon nicht beschreiben ohne ihn verzerrt darzustellen, darum werde ich es auch gar nicht versuchen.
Wir wanderten an der Kante entlang und besuchten auf der Strecke verschiedene Aussichtsplattformen. Das war eine Zeit zum genießen! Zu Mittag aßen wir in einem Restaurant mit Panoramablick auf den Canyon, einfach nur cool. Ist sehr schwer zu toppen.
Mein Vater und ich sind sogar ein Stückchen in den Canyon rein gewandert. Es gibt kein Geländer und nur am Anfang ein paar Warnschilder, nach dem Motto ‚Wenn du runterfällst ist das dein Problem‘. Die Faustregel sagt, dass man die doppelte Zeit braucht um wieder hoch zu wandern, da es doch ordentlich nach oben/unten geht.
Nach dem wandern sind wir mit einem Shuttle zu abgelegeneren Aussichtspunkten gefahren. Also ehrlich, egal wo du am Canyon bist, du kannst überall staunend da stehen und den Ausblick genießen. Und ist auch ziemlich gut für die Leute mit Höhenangst. Ist nämlich gar nicht hoch, ist nur tief 😉

Am nächsten Morgen mussten wir uns leider auf die Rückreise machen. Doch bevor es zurück nach La Junta ging stoppten wir am Monument Valley. Das Monument Vally sind die roten Felsen die in wirklich jedem Western Film drin vorkommen. Sie sind an der Grenze von Utah und Arizona. Die Felsen sind komplett rot, genauso wie alles in der Gegend. Richtiges naturrot und das überall. Wir fuhren etwas auf einem Rundweg durch die Felsen, mussten dann allerdings aufgeben da unser gemietete Wagen eindeutig ein Stadtauto ist und für eine steile, felsig-sandige Straße null vorbereitet ist. Doch es war vollkommen okay, wir haben die roten Felsen gesehen, aus ganz verschiedenen Perspektiven :).
Danach ging es nach La Junta. Wir stoppten nochmal an dem Bergpass auf 3.250 Meter Höhe. Da sollte man meinen, dass man alleine ist, doch falsch gedacht da war noch ein anderes Auto. In Amerika erwartet man in solch einer Situation Amerikaner, doch wieder falsch gedacht. Wir trafen dort Deutsche! Wir sind echt überall 😀

Am nächsten Morgen, ganz früh, hieß es wieder Abschied von meinen Eltern zu nehmen. Es ist ein ‚Auf wiedersehen‘. Und das schon bald, in zwei Monaten werde ich wieder deutschen Boden unter meinen Füßen haben. Manche denken vielleicht, dass dies ein harter Abschied gewesen ist, doch das war es nicht. Ich Trauer nicht, dass mein Eltern zurück nach Deutschland gehen mussten. Ich freue mich stattdessen, dass sie es geschafft haben mich zu besuchen und bin dankbar für die super Zeit, die wir zusammen hatten. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie mich besuchen kommen und meine Geschwister in Deutschland zurück lassen. Darum freue ich mich 🙂
Das wars auch wieder mit meinem Blog. Der nächste kommt dann wieder (hoffentlich) in zwei Wochen. Ihr dürft wieder gespannt sein, ein großes Projekt von der Arbeit steht vor dem Abschluss…

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