Unglückliches Timing

Mai - 17 2015 | By

Graue Wolken ziehen über La Junta. Es ist Freitagnachmittag und ein immer stärker wehender Wind treibt die vielen Wolken die den, ansonsten blauen, Himmel mit immer dunkleren Farbtönen bedecken. Du freust dich auf den bevorstehenden Regen. Die letzten Tage waren sehr trocken und das Land lechzt sich nach dem Wasser. Ein frischer Regen könnte den vielen Staub an den Boden binden und das Wachstum auf den Feldern voran bringen. Erwartungsvoll schaust du also aus dem Fenster. Das erste was du merkst sind die fehlenden Geräusche der Vögel. Das Singen wurde eingestellt. Du siehst einen einzelnen Vogel scheinbar ziellos durch die Gegend flattern. Es dauert eine Weile bis du realisierst, dass es der Wind ist, welcher scheinbar von allen Richtungen gleichzeitig kommt und den Vogel so orientierungslos aussehen lässt. Die große Tanne, die vor dem Haus steht und selbiges um 2 Meter überragt, schwingt im Rhythmus des Windes. Auch die Sträucher auf dem Nachbargrundstück wiegen sich im Wind hin und her. Der Himmel wird immer dunkler, die Wolken nehmen eine fast schwarze Farbe an. Die Temperatur kühlt schnell herunter und erste Regentropfen klatschen auf die verlassene Straße. Der Regen wird immer heftiger. Laut prasseln große Tropfen gegen die Fensterscheibe, du kannst das prasseln auf der Straße hören. Die 5 Hunde haben sich verstört im Haus zurück gezogen. Sie verkriechen sich unter deinem Bett. Du blickst aus dem Fenster. Immer noch unaufhörlich bläst der Wind durch die Straßen, du kannst nun sogar das heulen hören. Dazu der immer lauter werdende Regen. Der Himmel verdunkelt sich immer weiter und der Geräuschpegel schnellt durch Regen und Wind in die Höhe. Und dann hörst du es! Es ist ein grellendes Geräusch, ein Geräusch, welches in den Ohren schmerzt. Ein Geräusch, von dem du genau weißt, dass du das nicht lange hören willst. Du hast dieses Geräusch, diesen Ton, davor schon einmal gehört. An einem anderen Tag, Samstags. Genau genommen hast du es jeden Samstag gehört. Zumindest die Samstage die du hier in La Junta verbracht hast. Und am letzten Samstag war der Ton kein Problem für dich, du hast in einfach ignoriert. Aber jetzt. Jetzt kannst du ihn nicht ignorieren, denn du weißt was es bedeutet. Du weißt, dass heute nicht Samstag ist und dass der Ton nun nicht erklingen soll. Dein Herz schlägt schneller und ungläubig schaust du aus dem Fenster. Du ahnst das Unwetter, das draußen wütet. Du kannst nicht so viel erkennen, da der Regen zu stark gegen deine Fensterscheibe schlägt. Der Ton kommt von vielen Lautsprechern, die überall in der Stadt verteilt sind. Es ist eine Sirene, ein heulender, schriller, lauter Ton. Ihn zu überhören ist unmöglich, dafür ist er zu nervig. Er erinnert etwas an die Fliegeralarmsirenen im zweiten Weltkrieg. Das ist Absicht, dass es so ähnlich klingt. Denn dieser Ton, diese Sirene hat eine ähnliche Aufgabe. Es ist ein Alarm!

Liebe an meinem Auslandsjahr Interessierten,

ich hoffe ich konnte die Lust, diesen Artikel hier zu lesen, in euch wecken. Denn es ist mal wieder die Zeit für einen neuen Blogeintrag gekommen! Neben dem Update zur aktuellen Lage geht es heute nur einen weiteren Punkt. Dem Grund für meine Überschrift und dieser wird an die Einleitung anschließen…

 

Update zur aktuellen Lage

College: Das Semester ist vorbei und die ganzen Leute die am College studierten sind nicht mehr da. Hier in La Junta wohnt kaum ein jugendlicher, die meisten kommen von außerhalb. Das ist ziemlich schade, da nun meine ganzen Freunde nicht mehr da sind. Die anderen Austauschschüler sind zurück in die Heimat oder zu Verwandten in andere Staaten der USA gezogen. Ähnlich ist es mit den amerikanischen Schülern, da sind alle zurück zu den Familien gegangen. Und die wohnen leider nicht hier in La Junta. So ist das College nun wie ausgestorben, nur ein paar Angestellte arbeiten noch, ehe sie in ein paar Wochen in den Sommerurlaub können.

Work: Die letzten Tage meiner Anstellung im Economic Development sind angebrochen. Nächste Woche noch werde ich dort arbeiten, danach ist mein Einsatz da beendet und ich arbeite nur noch für das Small Business Development Center (SBDC).

Im Economic Development habe ich an verschiedenen großen Projekten mitgearbeitet, das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Vom SBDC aus sind wir die letzten Tage oft nach Lamar (liegt eine Autostunde östlich von La Junta) gefahren. Dabei konnte man die Auswirkung des Regens wunderbar sehen. Das ganze Land war grün! Überall Gras und Blätter und alles blühte. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, es sah unwirklich aus. Nicht wie Southeast Colorado. Bin mal gespannt wie lange sich das Auge an dieser grünen Wonne erfreuen kann.

Wetter: Wie eingangs erwähnt gab es die letzten Tage viel Regen. Das war ziemlich ungewohnt für die Menschen hier. Ich glaube so viel Wasser haben die noch nie auf einem Haufen gesehen, dabei war es (mit Deutschland verglichen) gar nicht so viel. Doch die vielen Schauer sorgten dafür dass die Bevölkerung nun mit Hochwasser zu kämpfen hat. Schon ironisch, da hoffen alle auf Regen, dann kommt er und dann gibt es gleich Überschwemmungen.

Volunteer Work: Seit eineinhalb Wochen habe ich einen festen Platz für meine ehrenamtliche Arbeit gefunden. Die 40 Pflichtstunden habe ich ja schon lange abgearbeitet, nun geht es an die 100!

Wie ich es schon mehrmals habe anklingen lassen werde ich im Crossroads Store arbeiten. Der Laden besteht aus zwei Abteilungen. Die erste ist ein Geschenkeladen, da gibt es verschiedene Fairtrade Produkte aus über 33 verschiedenen Ländern. Die Produkte werden von den Künstlern („Künstler“, weil die handgefertigten Produkte meiner Meinung nach Kunst sind) zu fairen Preisen eingekauft und im Laden weiter verkauft. Die Produkte sind dann etwas teurer, als wenn man sie aus einem nicht Fairtrade laden kauft, dafür ist beim Corssroads Store garantiert, dass die Menschen, welche die Produkte in stundenlanger Arbeit hergestellt haben, einen fairen Lohn erhalten. Die Produktpalette ist grenzenlos: Stoffe, Körbe, Musikinstrumente aller Art, Spielzeuge, Schmuck, Dekorationssachen, Elefantenkotpapier, Kerzen, Taschen, Kissen, Schachteln und weiter Behälter, Gläser, Alltagsgegenstände, Spielzeug und vieles mehr.

Der zweite Teil des Ladens ist ein Thriftstore, also ein Laden in dem man gebrauchte Kleider sehr günstig kaufen kann.

Der Laden wird von zwei angestellten Managern geführt, sie sind für die administrative Arbeit zuständig. Das operative Geschäft (also die, die nachher tatsächlich arbeiten 😛 ) wird von ehrenamtlichen Helfern betrieben. Ich helfe dort nun jeden Dienstag und Donnerstag aus. Mein Aufgabengebiet erstreckt sich über alle anfallenden Tätigkeiten. Meistens bin ich an der Kasse und sorge dort für eine reibungslose Abwicklung. Aber auch das falten von Tüten für die Kunden, helfen beim tragen der Einkäufe zum Auto, umsortieren des Lagers und beim etikettieren der Produkte mit Preisschildern sowie dem recyceln von Kleidern habe ich schon geholfen. Es gibt eigentlich nichts, worin ich nicht helfen könnte.

Die Arbeit ist meistens abwechslungsreich, langweilig wird es, wenn keine Kunden kommen und es nichts Weiteres zu tun gibt. Vorbereitende Tätigkeiten wie putzen und dem bereitstellen von Arbeitsuntensilien erledigen wir morgens, so ist dafür kein Bedarf am Nachmittag.

 

Der Grund für meine Überschrift

Dein Herz schlägt schneller und ungläubig schaust du aus dem Fenster. Du ahnst das Unwetter, das draußen wütet. Du kannst nicht so viel erkennen, da der Regen zu stark gegen deine Fensterscheibe schlägt. Der Ton kommt von vielen Lautsprechern, die überall in der Stadt verteilt sind. Es ist eine Sirene, ein heulender, schriller, lauter Ton. Ihn zu überhören ist unmöglich, dafür ist er zu nervig. Er erinnert etwas an die Fliegeralarmsirenen im zweiten Weltkrieg. Das ist Absicht, dass es so ähnlich klingt. Denn dieser Ton, diese Sirene hat eine ähnliche Aufgabe. Es ist ein Alarm!

Einige Minuten zuvor sah die Welt noch anders aus. Ich skypte mit einem anderen Teilnehmer des PPP/CBYX, wir buchten ein Ticket für einen Flug von Green Bay nach Washington D.C. um dort zu unserem Abschlussseminar zu gelangen. Wir waren gerade mitten im Buchungsprozess als der Schall der Sirenen ertönte. Das war ein ziemlich unglückliches Timing. Wobei ich glaube dass es für einen Tornado nie einen guten Zeitpunkt gibt. Ich stellte den Laptop auf den Boden, da der Tisch neben dem Fenster stand.

Donna kam mit einem leicht verängstigten Gesichtsausdruck in mein Zimmer und schrie ein Wort. Sieben Buchstaben. „T O R N A D O“. Nur Sekunden davor brach ein Hagelsturm los. Die Hagelkörner waren nicht besonders groß. Sie hatten eine Footballform und waren etwa 4cm lang und 2 bis 3cm breit, ging also von der Größe. Doch diese Hagelfootballkörner waren extrem schnell unterwegs, sie sprangen wie ein Tischtennisball mehrmals auf und ab, sobald sie auf den Boden trafen. Dabei war es unabhängig von Wiese oder Straße, die Körner hupften auf und ab. Wir standen erst einige Augenblicke am Fenster und schauten uns das Spektakel an. Eine Tornadoübliche Spirale konnten wir leider (oder zum Glück) nicht erkennen. Als es immer stärker zu wehen begann und der Schall der Sirenen nicht nachlassen wollte brachten wir uns so schnell wie möglich in Sicherheit. Wir gingen schnellst möglichst in den Keller, dort warteten wir ab. Wir mussten die Hunde teilweise runter tragen, da sie komplett durchdrehten. Es dauerte eine Weile die Vierbeiner zu beruhigen. Im Keller (ist eigentlich mehr ein tiefer gelegtes Wohnzimmer) schauten wir den Wetterkanal an. Kennt ihr Wetterkarten auf denen die Gefahrzonen mit rot markiert sind? Wir waren genau im roten Bereich. Alle paar Minuten kam am Fernseher eine Warnmeldung, dass gerade ein Tornado in der Gegend wütet. Nach einer Dreiviertelstunde zog der Tornado weiter und wir konnten das untere Wohnzimmer wieder verlassen.

Ich ging zurück zum Laptop um die Buchung für den Flug fortzusetzen. Mein Gesprächspartner meinte nur „Ich habe ja jeden Moment damit gerechnet dass das Haus jetzt wegfliegt!“. Ganz so schlimm war es zum Glück nicht, aber sicher auch nicht ungefährlich. Glücklicherweise hat sich niemand verletzt und abgesehen von zerstörten Gärten, überfluteten und verdreckten Straßen als auch zerbeulten Autos ist nichts groß passiert.

 

Das war es auch schon von meinem Blogeintrag, heute etwas kürzer als gewohnt. Der nächste Eintrag kommt dann erst in 3 Wochen. Meine Eltern kommen mich besuchen und wir werden etwas die Gegend, den Grand Canyon und Las Vegas anschauen. Auf diesen Besuch freue ich mich schon riesig! 🙂

 

 

 

 

 

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