Happy Holi!

Mrz - 13 2015 | By

Hallo liebe Leser,

endlich habe ich etwas Zeit gefunden um wieder einen neuen Blogeintrag hier in die Tastatur zu hämmern.

Es ist wieder einiges passiert in La Junta. Neben dem traditionellen Update zur aktuellen Lage gibt es heute einen Berichte über das Eislaufen, wie ich ein Jackett für 2 € bekommen habe, meine Präsentation über die Landwirtschaft in Deutschland, den Grund für die Überschrift und wie mich die Gebrüder Grimm mit Hänsel & Gretel die letzte Zeit beschäftigt haben. Ihr seht selbst, dass es eine Menge zu schreiben ist – und zu lesen. Begebt euch in eine bequeme Sitz-/Liegepositsion und taucht mit ein in die Welt des DANIEL SIEHLER! 😉

 

Update zur aktuellen Lage

Arbeit: Wenn ich ehrlich bin wird die Arbeit beim SBDC immer weniger. Das liegt zum einen daran, dass wir keine Alltagsarbeit haben die mich Zeit kosten könnte und daran, dass ich immer schneller werde. Das ist das schöne an der Routine, aber auch das schlechte an so einem abwechslungsreichen Beruf. Man hat wirklich keine regelmässige Arbeit. Im Economic Development Center läuft es dafür umso besser: Ich arbeite nun an einem Plan wie man La Junta für die Menschen attraktiver machen kann um die Leute zum Umzug zu bewegen. Das finde ich hochinteressant und ich kann mich da ziemlich kreativ austoben. Das macht richtig Spass!

College: Die Hälfte ist schon wieder rum. Nächste Woche ist Spring Break, da hat das College geschlossen. Dementsprechend haben wir auch schon die Hälfte der Noten bekommen. Bei mir sieht das ganz gut aus. Ich hänge in beiden Fächern zwischen einem A und B, wobei ganz klar das Ziel bei beiden ist, das A am Ende zu erreichen. In Ethics hindert mich eine Ausarbeitung (Reflectionpaper) daran das A jetzt schon zu haben, kann ich aber jederzeit neu einreichen und es neu bewerten lassen. Werd ich auch noch machen, wenn ich die Zeit dazu finde es neu zu schreiben. In IPC hab ich schon ein A. In den Analysen habe ich 100% in Serie geschrieben, in den Tests habe ich 2x 75% erreicht. Einmal weil ich nichts davon wusste und einmal hatte ich mit der Fragestellung zu kämpfen. Das habe ich ihr am Ende auch so gesagt. Bei manchen Fragen war vorausgesetzt, dass man einige amerikanische Sprichwörter kennt!! Ich bin ja schon eine Weile hier, aber ich kenn doch noch nicht alle Sprichwörter?! Doch durch die Analysen sollte mir das A nicht mehr zu nehmen sein.

Man hört ja so einiges an Gerüchten über die Amerikaner. Sie recyceln keinen Müll (ein einziger Mülleimer für ALLES), sie fahren große Autos (in den Hänger der Pickups hier passt so manches deutsches Auto) und sie halten die globale Klimaveränderung für ein Märchen. Den letzten Punkt habe ich immer bezweifelt. Leider stimmt er. In Ethics hatten wir darüber eine Disskussion und ich war ehrlich gesagt GESCHOCKT darüber, dass viele Menschen das für ein Gerücht halten!! Was leider wahr ist, dass, je nach dem wer die Forschergruppe bezahlt, das Ergebnis unterschiedlich ausfällt. Blöd nur, dass viele Ölkonzerne die Teams bezahlen (laut meiner Ethics Lehrerin). Ist ja klar dass die uns weiß machen wollen, dass ihr Produkt gar nicht so umweltschädlich ist. Oder das Fracking gut ist. Viele zweifeln auch an der Tatsache, dass die Forscher den Begriff „Globale Erwärmung“ in „Klimawandel“ geändert haben. Das ist für viele Amerikaner das Zeichen dafür, dass die Forscher falsch lagen. Da hatte meine Ethics Lehrerin eine extrem gute Antwort drauf: In Amerika gab es früher eine „Staat Tax“ (= Staats Steuer) auf die Beerdigungskosten. Die fiel in der Regel nur bei den Besserverdienern an (war abhängig vom Einkommen und Vermögen). Doch das gefiel den Reichen natürlich nicht. Sie engagierten eine Marketingfirma aus Florida, mit der Aufgabe, die Leute für eine Abschaffung dieser Steuer zu gewinnen. Die Marketingfirma verrichtete ihren Job hervorragend. Sie brachten eine geniale Namensänderung ins Spiel. Den Reichen gefiel das und sie drängten auf eine Namensänderung. Erfolgreich. Aus der “Staat Tax“ wurde die „Death Tax“ (= Todessteuer) .  Mit dieser Namensänderung konnten sie eine wunderbare Propaganda starten. Obwohl das Produkt, die Steuer, dasselbe blieb. Doch wer von den Leuten wollte schon eine Steuer fürs sterben bezahlen? Niemand. So wurde die Steuer aufgrund des Druckes der Bevölkerung abgeschafft.

Ist ähnlich wie mit dem Klimawandel. Ist im Prinzip das selbe, nur ein neuer Name. Traurig, wie der die Menschen beeinflusste.

Wetter: Das Wetter. DAS Lieblingssmaltalkthema der Deutschen! 😉 Was soll ich sagen? Wir hatten vorletzte Woche nochmal Schnee. Und als er schmolz ging er – endgültig! 😀 Jedenfalls sagen dass hier alle und warum nicht optimistisch sein? Zurzeit haben wir 20 – 25 Grad Celsius. JEDEN TAG 😀 seit letzter Woche. Ist schon absolut genial. Vor allem wenn ich das Wetter in Deutschland checke, da bekommt man fast Mitleid ;D

Volunteer Service: Hier hat sich nicht wirklich viel getan. Ich habe noch ein paar wenige Stunden gesammelt aber nichts weltbewegendes. Ich plane immer noch nach dem Semester (wenn ich viel Zeit habe) meine restlichen Stunden zu sammeln.

 Eislaufen: Mit dem IRO Club ging es vorletztes Wochenende Schlittschuhlaufen. Das war ganz nett, auch wenn nur 3 Leute von uns (mich eingeschlossen) das einigermaßen beherrschen. So verbrachten wir die Zeit den Leuten das einigermaßen beizubringen. Klappte auch ziemlich gut, auch wenn ich mich ehrlich gewundert habe, dass sich einer nicht den Knöchel brach! So wie er über das Eis…. GESTOLPERT ist –  mit extrem abgeknickten Fuss… doch es ging ihm gut.

Danach ging es zu einer kleinen Shoppingtour. Wir haben secondhand  Läden angesteuert. Sogenannte „Thrift Stores“. Wem von euch fällt hier auch das Lied von Mackelmore and Ryan Lewis ein??? :DD Das Zeugs war extrem günstig. Aber halt auch ein keinem besonders gutem Zustand. Ich wollte mir eigentlich nichts kaufen doch dann fand ich die Abteilung mit Jacketts. Das war natürlich genau mein Fall. Ich entdeckte für mich ein einzigstes Jackett, welches ich nicht auch als Zelt benutzen könnte. Das habe ich dann gekauft. Ist weniger ein schickeres oder gut aussehendes aber vielleicht kann ich das bei einer Kostümparty oder einer Bad-Taste Party verwenden. 😉

Das Jackett kostete $ 5 doch es kam noch Rabatt dazu (auf ein Jackett für 5 Dollars?!) so kostete es mich am Ende umgerechnet 2 Euro. Wie kann ein Jackett für 2 Euro falsch sein?

Landwirtschaftspraesentation über Deutschland: In Rocky Ford (Nachbarstadt von La Junta, etwa 20 Minuten zum fahren) ist ein regelmässiges 4-H Council. (Ich habe leider keine Ahnung für was das steht 😀

Dort treffen sich junge Nachwuchslandwirte und an Landwirtschaftinteriessierte Menschen um über alle möglichen Landwirtschaftsbezogene Themen zu sprechen. Ich rechnete mit einer 10 Personen Gruppe und war mehr als erstaunt als ich vor über 50 Leuten stand die gespannt auf meine Präsentation warteten. Die Präsentation war mega gut, ich konnte die Leute sehr gut unterhalten und hatte die total in meinem Bann. Ich konnte nicht alle Fragen beantworten, aber die Meisten. War echt cool und hat mega viel Spass gemacht.

Der Grund für meine Überschrift….

Das Holi Festival ist ein Fest der Hindu und wird jährlich gefeiert. Es ist das Fest der Farben, Begrüßung des Frühlings und hat noch was mit ihren Gottheiten zu tun, was genau kann ich leider nicht sagen, da ich nicht alles verstanden habe was der pakistanische Schüler von sich gegeben hat. Die pakistanis lernen Englisch bereits sehr früh, wobei man es so wenig mit  Englisch zu tun hat wie  sächsisch mit Hochdeutsch. Das liegt zum einen an der unfassbaren Geschwindigkeit und zum anderen an der sehr fantasievollen Betonung und Aussprache der Wörter. Ich habe danach mit vielen Amerikanern und auch anderen Austauschschülern geredet und alle hatten sehr große Probleme was zu verstehen. Immerhin hatte er schöne Bilder mitgebracht 😉

Es ist sowieso so eine Sache mit den verschiedenen Dialekten. Das lustige ist, dass alle mich verstehen – und ich versteh die meisten. (Bin einer der wenigen der die Pakistanis wenigstens etwas versteht). Dennoch versteh ich nicht alle. Das kann dann schon mal zu Frustrationen bei dem Gegenüber sorgen weil sie bzw. er absolut davon überzeugt ist, dass sie/er das Wort richtig ausspricht – oder das richtige Wort verwendet. Manchmal hilft es wenn ich mein gegenüber bete es laaaaaaaangsamer auszusprechen oder aufzuschreiben. Wobei letzteres zu allem möglichen führen kann, nur nicht zu dem gesuchten Wort 😀

Zurück zum Holi. Wir waren 50-60 Leute die sich die Präsentation angehört haben und die sich den Hauptteil nicht entgehen lassen wollten. Der Farbschlacht!! Das Farbpulver kann man sich wie buntes, sehr feines Mehl vorstellen. Wir hatten sehr viele Teller mit dem Farbpulver und begannen uns gegenseitig mit den Farben zu bewerfen. Jeder gegen jeden. Schüler gegen Schüler, Lehrer gegen Lehrer, Schaulustige gegen Schaulustige, Schüler gegen den College Präsident, Lehrer gegen den College Präsident (ihren Chef!), Lehrer gegen Schaulustige, Präsident gegen Schaulustige, Schüler gegen Lehrer. Es war ein ausgelassenes und fröhliches treiben. Will ich auf jeden Fall nochmal in Deutschland machen! 🙂

Die Farben gehen wieder aus den Kleidern raus. Und ein netter Nebeneffekt: Ich hatte noch nie so ein farbenfrohes Duscherlebnis 😉

Hänsel & Gretel

Tja wer hätte gedacht das mich Märchen hier in Amerika nochmal so beschäftigen? Ich ganz sicher nicht.

Doch es war einmal ein deutscher Austauschschüler, den es nach La Junta, in die Prärie verschlagen hatte. Er hatte dort verschiedene Aufgaben zu bewältigen, wie College, arbeiten, Autokauf und vieles anderes. Eine von seiner Organisation, welche in entsandte, gestellte Aufgabe war es, mindestens 40 ehrenamtliche Stunden in der Community zu arbeiten. Wer 100 Stunden schaffen sollte, würde mit dem begehrten goldenen Zertifikat des State Departments ausgezeichnet werden. Und das war es, was unser Austauschschüler erreichen wollte. Das goldene Papier!

100 Stunden zu sammeln ist nicht leicht. Er tat viel, engagierte sich, half wo er konnte. Doch das Stundenkonto wuchs nicht wie gewünscht. So kam es, dass seine Collegecoordinatori ihm einen Vorschlag unterbreitete. Es war der Anfang einer Geschichte, mit einem denkwürdigen Ende das niemand so geahnt hatte.

Er begab sich in das International Office um sich für die Landwirtschaftspräsentation mit einem weiteren Coordinator abzustimmen, als seine Chef  Collegecoordinatorin ihn ansprach: „Du kommst doch aus Deutschland und der Schwarzwald ist nicht weit weg von deinem Zuhause, oder?“ Der Schüler bejahte die Frage. Die Sache mit dem „nicht weit weg“ muss man im amerikanischen Maßstab betrachten. Für die ist der Bodensee „neben Stuttgart“. „Also kennst du die Gebrüder Grimm“ fuhr sie fort „und brauchst noch Stunden für dein Stundenkonto“. Auch hier bejahte ich wahrheitsgemäß. „Kannst du dir vorstellen in der örtlichen Bücherei das Kinderlesen zu machen? Ich dachte daran dass du Hänsel & Gretel vorlesen könntest. Das wäre cool so als echter deutscher aus dem Schwarzwald“ der Schüler erwiderte „Ja, klar. Das hört sich interessant an. Ich werde es machen!“

Es vergingen Tage und der Schüler hatte eine gute Version des Märchens gefunden und auf 16 Seiten ausgedruckt. Dazu sollte die Collegecoordinatorin kleine Lebkuchenhäuser backen, welche die Kinder nach dem vorlesen mit Lebensmittelfarbe bunt anmalen sollten. Doch die Bücherei hatte sich nicht mehr gemeldet! Etwas in der Kommunikation zwischen der Collegecoordinatorin und der Bücherei ging schief. So kam es dass keine Lebkuchengebacken wurden. Trotzdem ging der Schüler zusammen mit einem anderen Coordinator zum Gebäude, in welchem das vorlesen statt finden sollte.

Als sie es erreichten wurden sie freudig empfangen. Die Altersspanne der Kinder pendelte sich von „kann alleine sitzen“ bis „kann schon halbwegs alleine koordiniert laufen“ ein. Als der Schüler das realisierte wusste er sofort, dass er hier mit 16 Seiten Hänsel & Gretel nicht weit kommen würde. Der geniale Vorteil einer Bücherei ist der, dass es hier Bücher gibt! So könnte die Bibliothekarin ihm ein altersgerechtes Kinderbuch besorgen. Der Text auf manchen Seiten hatte weniger Zeichen als so manche Passwörter von mir. Genau das was wir hier brauchten!

Er zog sich den großen, weißrot gestreiften Hut auf den Kopf. Der offizielle Erzählerhut. Ein enormes Prestigeobjekt für die Kids.

Es konnte losgehen. Er erzählte mehr, als das er laß und band die Kinder ein, die von Seite zu Seite aufblühten und begeistert dabei waren.

Nachdem er vorgelesen hatte, nahm er, sehr zur Freude der Kids, noch an ihrem Tanz- & Singpart teil.  Das stellte sich als kniffeliger raus als gedacht, da er die Lieder nicht kannte.

Am Ende wurde er unter einem großen „Good bye“ verabschiedet. Die eigentliche Überraschung erlebte er am nächsten Tag, als er sich die lokale Zeitung zu Gemüte führte.

TITELSEITE! Er hat nun das erreicht, wovon andere nicht einmal träumen!

 

 

So, das war es wieder aus Colorado. Ich hoffe es hat euch gefallen! 🙂 Seit gespannt auf den nächsten Eintrag, es steht der IRO Skitrip und und die bereits erwähnte Spring Break auf dem Plan 😉

 

 

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